Ankara – Mit einer bewegenden Mischung aus Feierlichkeiten und Momenten des Innehaltens hat die Türkei am 23. April den Tag der Nationalen Souveränität und des Kindes begangen. Gleichzeitig erinnerte das Land an die Eröffnung des Parlaments vor über einem Jahrhundert – ein historischer Meilenstein für die Republik.
Am Morgen besuchte Bildungsminister Yusuf Tekin gemeinsam mit Kindern aus allen 81 Provinzen das Anıtkabir in Ankara, die Ruhestätte von Mustafa Kemal Atatürk. Dort legten sie einen Kranz nieder und gedachten des Staatsgründers. In das Ehrenbuch schrieb Tekin, Kinder seien „die Garantie der Zukunft“ und betonte die Verantwortung, kommende Generationen zu fördern.
Auch Parlamentspräsident Numan Kurtulmuş nahm an offiziellen Zeremonien teil, darunter eine Kranzniederlegung am Parlamentsgebäude sowie ein weiterer Besuch am Anıtkabir.
Der 23. April ist tief in der Geschichte des Landes verankert: Am 23. April 1920 trat erstmals das Parlament zusammen – ein Symbol für die Übertragung der Souveränität an das Volk während des Unabhängigkeitskrieges. Bereits ein Jahr später wurde das Datum zum nationalen Feiertag erklärt. 1929 widmete Atatürk den Tag schließlich den Kindern und machte die Türkei zum ersten Land weltweit mit einem offiziellen Kinderfeiertag.
Heute hat das Fest auch eine internationale Dimension. Seit 1979 nehmen Kinder aus zahlreichen Ländern an den Feierlichkeiten teil.
Im ganzen Land fanden farbenfrohe Veranstaltungen statt. Auf dem Taksim-Platz in Istanbul versammelten sich Kinder und Offizielle zu Zeremonien mit Nationalhymne und Fahnen. In Erzurum begeisterten Schüler mit Tänzen, Gedichten und kulturellen Darbietungen ein großes Publikum.
Eine besondere Tradition wurde ebenfalls fortgeführt: Kinder übernehmen symbolisch für einen Tag politische Ämter – ein Ausdruck von Atatürks Vision, junge Menschen aktiv in die Zukunft des Landes einzubinden.
In diesem Jahr lag jedoch auch ein Schatten über den Feierlichkeiten. Bei den Veranstaltungen wurde der Opfer eines jüngsten Schulangriffs in Kahramanmaraş gedacht, bei dem eine Lehrkraft und acht Schüler ums Leben kamen. Das Gedenken unterstrich die Bedeutung des Schutzes von Kindern in schwierigen Zeiten.
Trotz der Trauer blieb der Geist des Tages lebendig: In Adana etwa wurden krebskranke Kinder in einem Krankenhaus mit einer besonderen Kinovorführung überrascht – ein Moment der Freude und Hoffnung an einem Tag, der ganz ihnen gewidmet ist.