ISTANBUL – Die Zahl der Windpocken (Varizellen) in der Türkei steigt wieder an. Kinderärzte berichten von deutlich mehr Patienten, die in den letzten Monaten medizinische Einrichtungen wegen der hochansteckenden Krankheit aufgesucht haben.
Experten machen Lücken im nationalen Impfplan für die Zunahme verantwortlich. Derzeit erhalten Kinder in der Türkei lediglich eine Einzeldosis der Windpocken-Impfung im ersten Lebensjahr. Eine zweite Auffrischungsdosis, wie sie in vielen westlichen Ländern üblich ist (im Alter von einem und vier Jahren), ist nicht vorgesehen.
Experten warnen vor Risiken
Dr. Fatih Binboğa, Spezialist für pädiatrische Infektionskrankheiten, betonte, dass Windpocken zu den ansteckendsten Viren weltweit zählen. „Die Impfung hatte die Fallzahlen deutlich reduziert. Doch in den letzten zwei bis drei Monaten sehen wir wieder vermehrt Erkrankungen“, erklärte er.
Bei Kindern verläuft die Krankheit meist mild, kann aber bei Erwachsenen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Frühe Symptome sind Fieber, Müdigkeit und Hautausschläge.
Schutz durch zweite Impfung erhöhen
Unter dem aktuellen türkischen Impfplan liegt der Schutz nach der Einzeldosis bei etwa 75 Prozent. Mit einer zweiten Dosis könnte die Wirksamkeit auf nahezu 99 Prozent steigen, so Binboğa.
Auch Dr. Pınar Balgöz betonte die erneute Verbreitung des Virus. Besonders gefährdet seien ungeimpfte Säuglinge, Schwangere, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. „Wir empfehlen Familien dringend die zweite Dosis“, so Balgöz.