Von Gastarbeitern zur Folgegeneration: Die türkeistämmige Bevölkerung in Zahlen

01.11.2026 – 15:00 Uhr

Anlässlich des 65. Jahrestags des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens hat das Statistische Bundesamt (Destatis) umfassende Daten zur in Deutschland lebenden türkeistämmigen Bevölkerung veröffentlicht. Die Zahlen zeichnen ein detailliertes Bild von deren Herkunft, Erwerbstätigkeit, Staatsangehörigkeit und regionaler Verteilung.

Bevölkerungsstruktur und Migrationsgeschichte

Demnach leben rund 2,648 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in der Bundesrepublik. Sie stellen etwa 3,2 Prozent der Gesamtbevölkerung dar und bilden damit die größte Gruppe unter den Menschen mit Migrationshintergrund. Rund 56 Prozent von ihnen sind selbst aus der Türkei eingewandert, 44 Prozent wurden bereits in Deutschland geboren.

Von den ersten Gastarbeitern, die im Rahmen des am 30. Oktober 1961 unterzeichneten Anwerbeabkommens nach Deutschland kamen, waren Ende 2025 noch rund 125 000 Personen am Leben. Die Zahl der direkt aus der Türkei Eingewanderten beläuft sich auf etwa 1,5 Millionen, wenn man die in Deutschland Geborenen und später im Rahmen des Familiennachzugs Gekommenen nicht mitzählt.

Migrationswellen im Zeitverlauf

Zwischen 1961 und 1973 kamen im Zuge des Anwerbeabkommens 216.000 Menschen aus der Türkei. In der politisch unruhigen Phase zwischen 1974 und 1989 – einschließlich des Militärputschs von 1980 – wanderten 484.000 Personen ein. Für die Jahre 1990 bis 2007 verzeichnet die Statistik 409.000 Zuwanderer; zwischen 2008 und 2013 sank die Zahl auf 54.000, seit 2014 ist wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Bis 2025 kamen 307.000 türkische Staatsangehörige nach Deutschland. Damit stammt rund ein Fünftel der heute hier lebenden türkeistämmigen Bevölkerung aus der Zeit ab 2014.

Die Migrationsmotive sind vielfältig: Etwa zwei Drittel der 2025 in Deutschland lebenden Migranten, die in der Türkei geboren wurden, kamen aus familiären Gründen, darunter Familiennachzug. 15 Prozent wanderten zur Arbeitsaufnahme ein, 10 Prozent suchten Asyl oder internationalen Schutz und 4 Prozent kamen zum Studium oder zur Ausbildung.

Erwerbstätigkeit: Überdurchschnittlich in Reinigung und Textil

Im Jahr 2025 stellten Menschen mit türkischem Migrationshintergrund 3,5 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren, was rund 1,4 Millionen Personen entspricht. Auffällig ist die branchenspezifische Verteilung: 9,8 Prozent von ihnen arbeiten im Reinigungsgewerbe, 6,7 Prozent in der Textil- und Lederindustrie und 6,6 Prozent in der Metallproduktion und -verarbeitung. In Bereichen wie Recht und Verwaltung, Werbung und Marketing sowie Bildung und Unterricht liegt ihr Anteil mit jeweils 1,8 Prozent hingegen unter dem Durchschnitt.

Staatsangehörigkeit und Demografie

Die türkeistämmige Bevölkerung ist im Durchschnitt 42 Jahre alt. Mit 1,361 Millionen Männern gegenüber 1,287 Millionen Frauen ist der Männeranteil leicht höher. 48 Prozent (1,284 Millionen) besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit, teilweise in Form der doppelten Staatsbürgerschaft. Während unter den direkt aus der Türkei Eingewanderten nur 28 Prozent eingebürgert sind, liegt die Quote bei den in Deutschland geborenen Folgegenerationen bei 74 Prozent.

Regionale Schwerpunkte

Rund 73 Prozent der türkeistämmigen Bevölkerung leben in nur vier Bundesländern: Nordrhein-Westfalen (32 Prozent), Baden-Württemberg (18 Prozent), Bayern (12 Prozent) und Hessen (10 Prozent). Gemessen am Bevölkerungsanteil verzeichnet Bremen mit 6,6 Prozent den höchsten Anteil türkeistämmiger Einwohner, gefolgt von Berlin (5 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (4,8 Prozent).