Vom Sommerziel zur Ganzjahresdestination: Antalya plant neues Messezentrum

02.11.2026 – 18:00 Uhr

Antalya – Antalya soll künftig stärker vom ganzjährigen Tourismus profitieren. Dafür plant die türkische Regierung ein großes Messe-, Kongress- und Veranstaltungszentrum auf dem Gelände der EXPO. Das kündigte Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy bei der Eröffnung des Antalya Kulturweg-Festivals an. Nach der UN-Weltklimakonferenz COP31, die vom 9. bis 20. November in Antalya stattfindet, soll das Projekt unter dem Dach der Türkischen Agentur für Tourismusförderung und -entwicklung (TGA) vorangetrieben werden.

„Wir gehen eine neue Initiative an, um den Tourismus in Antalya auf zwölf Monate auszuweiten“, sagte Ersoy. Geplant sei eine professionelle Organisationsstruktur, die eines der größten und bedeutendsten Messe-, Kongress- und Veranstaltungszentren der Türkei aufbauen soll. Damit wolle Antalya auch in der Winter- und Frühjahrssaison mehr Besucher anziehen.

Kongress- und Geschäftstourismus stärken

Mit dem Vorhaben soll Antalya international als Standort für den sogenannten MICE-Tourismus etabliert werden. Die Abkürzung steht für Meetings, Incentives, Conferences und Exhibitions – also Tagungen, Incentive-Reisen, Kongresse und Ausstellungen.

Nach Ansicht des Ministers bietet das EXPO-Gelände dafür großes Potenzial. Ein Zentrum von internationalem Format könne nicht nur die touristische Nachfrage außerhalb der klassischen Sommersaison erhöhen, sondern auch das soziale, kulturelle und künstlerische Leben der Stadt bereichern.

Ersoy verwies in diesem Zusammenhang auf weitere Investitionen in Antalya, darunter den Ausbau der Flughafenkapazitäten sowie Straßenbauprojekte in Zusammenarbeit mit anderen Ministerien. Ziel sei es, die touristische Infrastruktur der Stadt langfristig zu stärken.

Kulturweg-Festival mit mehr als 440 Veranstaltungen

Die Ankündigung fiel bei der Eröffnung des Antalya Kulturweg-Festivals. Die Veranstaltung findet zum vierten Mal statt und bietet neun Tage lang mehr als 440 Programmpunkte an über 40 Veranstaltungsorten. Dazu gehören Konzerte, Ausstellungen, Opern- und Ballettaufführungen, Workshops sowie Angebote für Kinder. Außerdem wurden 85 gastronomische Stationen ausgewählt, an denen regionale Spezialitäten vorgestellt werden.

Auf der Hauptbühne im Konyaaltı Beach Park treten unter anderem Simge, Sefo, Gökhan Türkmen, Ebru Yaşar, Demet Akalın und Hakan Altun auf. Zum Bühnenprogramm gehören außerdem Ballettinszenierungen von „Anna Karenina“ und „Carmina Burana“ sowie die Oper „Attila“.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf traditionellem Kunsthandwerk. Besucher können unter anderem Arbeiten aus Glas und Holz, Teppich- und Kelimweberei, Töpferei, Keramik, Filzkunst, Ebru-Malerei und Miniaturmalerei kennenlernen. Auch eine Ausstellung mit Werken aus der Sammlung von Mustafa Taviloğlu ist Teil des Programms.

Mehr als eine Milliarde Lira für archäologische Projekte

Ersoy stellte bei seinem Besuch auch die bisherigen Kultur- und Infrastrukturinvestitionen in Antalya vor. Zwischen 2024 und 2026 seien im Rahmen des Projekts „Kulturerbe für die Zukunft“ mehr als 1,06 Milliarden Lira für Ausgrabungen und kleinere Restaurierungsarbeiten an 26 archäologischen Stätten bereitgestellt worden.

Seit 2018 seien zudem 24 Projekte und 101 Einzelmaßnahmen zum Schutz von Kulturgütern abgeschlossen worden. Weitere neun Projekte und neun Maßnahmen seien noch in Arbeit. In den vergangenen acht Jahren wurden nach Angaben des Ministers unter anderem mehrere Museen eröffnet, darunter das Antalya-Ethnografiemuseum, das Nekropolenmuseum und das Museum der lykischen Zivilisationen.

Auch in die Infrastruktur wurde investiert: Die Gesamtkosten für mehrere Abwasser- und Infrastrukturprojekte in der Region bezifferte Ersoy auf acht Milliarden Lira. Darüber hinaus seien 14 öffentliche Strände eröffnet worden, die nach Angaben des Ministeriums einen Servicestandard wie Fünf-Sterne-Hotels bieten.

Tourismus soll krisenfester werden

Ersoy betonte, dass die Türkei den Tourismus künftig stärker auf zwölf Monate und alle 81 Provinzen verteilen wolle. Dafür seien vielfältigere Herkunftsmärkte und Angebote notwendig, die unterschiedliche Erwartungen der Gäste erfüllen. Eine breitere Aufstellung solle die Branche widerstandsfähiger gegenüber internationalen Krisen machen.

Als Beispiele für solche Herausforderungen nannte der Minister die Thomas-Cook-Pleite, die Corona-Pandemie sowie den Krieg zwischen Russland und der Ukraine und die jüngsten Konflikte im Nahen Osten. Die türkische Tourismusbranche habe dabei an Krisenfestigkeit gewonnen. Diese Widerstandsfähigkeit solle weiter ausgebaut werden.