Istanbul – Eine mutmaßliche Betrügergruppe soll Online-Terminvergabesysteme für Visa mit sogenannten Bots blockiert und Bürger dadurch daran gehindert haben, selbst Termine zu buchen. Bei einer groß angelegten Razzia wurden 49 Verdächtige festgenommen. Nach Angaben des türkischen Justizministers Akın Gürlek wurden zwischen Januar 2024 und Juli 2026 Finanzbewegungen von mehr als 2,84 Milliarden türkischen Lira festgestellt. Von mehr als 41.000 Menschen sollen rund 918 Millionen Lira kassiert worden sein.
Die Ermittlungen wurden von der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft koordiniert. Im Zentrum steht der Verdacht, dass einige Personen und Unternehmen, die offiziell als Visa-Berater auftraten, mithilfe von Bot-Software massenhaft Termine bei Konsulaten und autorisierten Visa-Dienstleistern reservierten.
Dadurch sollen normale Antragsteller praktisch keine Möglichkeit mehr gehabt haben, selbst einen freien Termin zu bekommen. Die begehrten Termine sollen anschließend gegen hohe Gebühren vermittelt worden sein.
Hohe Gebühren und keine Rückerstattung
Den Ermittlern zufolge versprachen die Verdächtigen ihren Kunden, innerhalb eines bestimmten Zeitraums ein Visum oder zumindest einen Termin zu beschaffen. Dafür verlangten sie hohe Beträge, unter anderem für angebliche „Software-, Beratungs- und Servicegebühren“.
In Fällen, in denen die versprochenen Leistungen nicht erbracht wurden, sollen Gebühren teilweise nicht zurückerstattet worden sein. Zudem gibt es den Verdacht, dass persönliche Daten von Antragstellern in private digitale Systeme übertragen wurden.
Bei einer Prüfung durch die Steuerprüfungsbehörde des türkischen Finanzministeriums wurden auf Konten der untersuchten Firmenstrukturen im Zeitraum von Januar 2024 bis Juli 2026 Finanzbewegungen von mehr als 2,841 Milliarden Lira festgestellt. Von mehr als 41.000 Personen sollen insgesamt rund 918 Millionen Lira eingezogen worden sein.
Ein erheblicher Teil der Einnahmen soll auf Konten von Firmeninhabern und Mitarbeitern weitergeleitet worden sein. Die Ermittler stellten zudem umfangreiche Bewegungen von Bargeld, Kryptowährungen und Edelmetallen fest.
Razzien in sechs Städten
Die türkische Gendarmerie führte zeitgleich Durchsuchungen an 63 Adressen in Istanbul, Ankara, Antalya, Balıkesir, Bursa und Izmir durch. Dabei wurden digitale Geräte und Dokumente beschlagnahmt, die nun ausgewertet werden.
Justizminister Gürlek kündigte an, entschlossen gegen Strukturen vorzugehen, die den Zugang der Bürger zu offiziellen Dienstleistungen blockierten und daraus Profit zögen. Die Ermittlungen dauern an.