ANTALYA – Mit automatisierten Computerprogrammen sollen sie begehrte Visatermine blockiert und anschließend überteuerte Vermittlungsdienste angeboten haben: Bei einer groß angelegten Razzia gegen ein mutmaßliches Betrugsnetzwerk sind in acht türkischen Provinzen 60 Verdächtige festgenommen worden. Die Ermittlungen wurden von Istanbul aus geführt und betreffen auch Antalya und Alanya.
Nach bisherigen Erkenntnissen nutzte das Netzwerk sogenannte Bots, um die begrenzten Termine in den Buchungssystemen von Konsulaten und autorisierten Visazentren innerhalb von Sekunden zu belegen. Anschließend sollen die mutmaßlichen Täter Antragsteller auf kostenpflichtige Vermittlungsangebote gelenkt und so die künstlich verknappte Verfügbarkeit ausgenutzt haben.
Bis zu 400 Euro Aufpreis pro Antrag
Über soziale Medien soll das Netzwerk mit Versprechen wie „garantierter Termin“ oder „garantiertes Visum“ um Kunden geworben haben. Pro Vorgang verlangten die Verdächtigen demnach zusätzlich zwischen 300 und 400 Euro.
Der mit Visaanträgen und Beratungsdiensten verbundene Geldfluss beläuft sich laut den bisherigen Ermittlungen auf rund 370 Millionen türkische Lira. Die Behörden untersuchen den Fall umfassend.
Zudem besteht die Sorge, dass sensible persönliche Daten der Antragsteller, darunter Pass- und Ausweisdaten, gefährdet sein könnten. Die Behörden raten deshalb dringend davon ab, nicht offiziell zugelassene Vermittler zu nutzen, und empfehlen, Visatermine ausschließlich über offizielle Kanäle zu buchen.