Urteile, Tränen, Erinnerung: Was vom Branddrama in Kartalkaya bleibt

22.01.2026 – 12:00 Uhr

Ein Jahr nach dem verheerenden Brand im Grand-Kartal-Hotel im türkischen Wintersportort Kartalkaya gedachten Angehörige der Opfer der Katastrophe. Bei eisigen Temperaturen versammelten sich Trauernde in der Nacht vor dem Hotel, in dem am 21. Januar 2025 insgesamt 78 Menschen ums Leben gekommen waren. Auf die Fassade des Gebäudes wurden die Namen der Toten projiziert. Es wurden Blumen niedergelegt und Gedenkballons in den Himmel steigen gelassen.

Der Brand war in den frühen Morgenstunden ausgebrochen und hatte sich rasch im Hotel ausgebreitet. Neben den Todesopfern wurden offiziellen Angaben zufolge 133 Menschen verletzt. Das Unglück löste landesweit Entsetzen aus und führte zu einer umfangreichen strafrechtlichen Aufarbeitung.

Im Oktober 2025 verkündete das zuständige Schwurgericht in Bolu die Urteile. Mehrere leitende Verantwortliche des Hotels sowie kommunale Amtsträger wurden wegen Tötung mit bedingtem Vorsatz zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass gravierende Sicherheitsmängel bewusst in Kauf genommen worden waren. Weitere Angeklagte erhielten langjährige Freiheitsstrafen wegen fahrlässiger Verursachung von Tod und Verletzungen. Einige Beschuldigte wurden freigesprochen.

Die Entscheidung des Gerichts wurde von vielen Hinterbliebenen als wichtiger Schritt gewertet. Das juristische Verfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen, da sowohl die Staatsanwaltschaft als auch mehrere Verurteilte Rechtsmittel eingelegt haben. Die nächsten Instanzen sollen nun prüfen, ob die Schuldsprüche und Strafmaße Bestand haben.

Bei der Gedenkveranstaltung am Jahrestag überwog die Trauer. Angehörige beschrieben den Verlust als allgegenwärtig und sprachen von einem Jahr, das von Schmerz und Erinnerungen geprägt gewesen sei. Für viele von ihnen gilt das ausgebrannte Hotel inzwischen als Mahnmal – nicht nur für die Opfer, sondern auch für die Folgen von Versäumnissen bei Kontrolle und Verantwortung.

Der Brand von Kartalkaya zählt zu den schwersten Hotelkatastrophen der jüngeren Geschichte des Landes. Er hat eine Debatte über Brandschutz, Aufsicht und Haftung neu entfacht und ist für die Betroffenen auch ein Jahr später noch eine offene Wunde.