Ein Prozess um mutmaßliche Gewalt gegen eine Frau endete mit einer langen Haftstrafe und einer tödlichen Tragödie im Gerichtsgebäude.
Ein türkisches Gericht verurteilte einen 37-jährigen Mann wegen versuchten Mordes an seiner getrennt lebenden Ehefrau zu 19 Jahren Gefängnis. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung brach der Vater des Angeklagten in einem Toilettenraum des Gerichts zusammen und verstarb noch am Ort des Geschehens. Als Todesursache wird ein Herzinfarkt vermutet.
Der Vorfall ereignete sich im Juli des vergangenen Jahres im Stadtteil Konyaaltı. Die 37-jährige Iryna Melnychuk Değer, eine gebürtige Ukrainerin, war nach ihrer Nachtschicht in einem Hotel auf dem Heimweg. Als sie durch die Hintertür ihres Hauses gehen wollte, hörte sie plötzlich Geräusche hinter sich. Nach Erkenntnissen der Ermittler schlug ihr ein Mann von hinten mit einer Keule mehrfach auf den Kopf. Die Attacke erfolgte schweigend. Das Opfer erlitt mehrere Brüche in der linken Hand, eine Platzwunde am Kopf sowie Gewebeschäden, die später operativ versorgt werden mussten. 16 Tage lag die Frau im Krankenhaus.
Die Polizei nahm den Ehemann fest, gegen den ein gerichtliches Näherungsverbot bestand. Er bestritt die Tat und schwor mehrfach auf den Koran, unschuldig zu sein. Er sei zum Zeitpunkt der Tat an einem anderen Ort gewesen, so seine Version.
Die Staatsanwaltschaft sah es jedoch als erwiesen an, dass der Mann die Tat geplant hatte. Das Gericht folgte dieser Argumentation und verhängte eine Haftstrafe wegen versuchten vorsätzlichen Mordes an der Ehefrau.
Doch noch im selben Gebäude ereilte die Familie eine weitere Katastrophe: Hasan Değer, der Vater des Verurteilten, suchte nach der Verhandlung die Toilette auf. Dort wurde er wenig später reglos auf dem Boden liegend entdeckt. Trotz der Alarmierung eines Rettungswagens kam jede Hilfe zu spät. Angehörige erlitten am Ort einen Nervenzusammenbruch. Der Leichnam des Mannes wurde zur Obduktion in die Rechtsmedizin überführt.