Tuz Gölü in der Türkei verzeichnet starke Flamingo-Population – Forscher warnen vor Wasserknappheit

10.08.2026 – 8:00 Uhr

Ein spektakuläres Naturschauspiel am türkischen Tuz Gölü: In diesem Jahr wachsen rund 12.800 Flamingo-Küken in einer der weltweit größten Brutkolonien heran. Die Tiere sichern ihr Überleben durch ein seltenes und ungewöhnliches Betreuungssystem: Hunderte erwachsene Vögel ziehen den Nachwuchs gemeinschaftlich in einer Art Massen-Kindergarten auf. Experten sprechen von einer der erfolgreichsten Brutsaisons der vergangenen Jahre und schlagen gleichzeitig Alarm.

Die diesjährige Bestandsaufnahme im Rahmen eines Arten- und Habitatschutzprojekts des türkischen Ministeriums für Umwelt, Urbanisierung und Klimawandel ergab die beachtliche Zahl von etwa 12.800 Jungtieren. Projektkoordinator Ahmet Karataş bestätigte, dass es sich um eines der stärksten Brutergebnisse seit Langem handele. Als Hauptgrund für den Erfolg nennt er die ergiebigen Regenfälle im Winter und Frühjahr. Diese hätten die Wasserreserven des Tuz Gölü sowie umliegender Feuchtgebiete maßgeblich aufgefüllt.

Von der Erholung profitierten demnach auch die zuvor weitgehend ausgetrockneten Seen Tersakan, Bolluk und Kulu. Das gestiegene Wasserangebot habe die Nahrungs- und Nisthabitate der Vögel entscheidend verbessert. Doch Karataş warnt vor verfrühter Entwarnung. Die zunehmende landwirtschaftliche Bewässerung in der Region berge die akute Gefahr, das fragile Ökosystem erneut aus dem Gleichgewicht zu bringen. „Wasser ist nicht nur für Menschen oder Bauern da, sondern gehört jedem Lebewesen“, mahnt der Forscher und fordert ein nachhaltiges Wassermanagement zum Erhalt der Biodiversität.

Der Tuz Gölü ist bekannt für das höchst kooperative Aufzuchtverhalten der Flamingos, das sogenannte „Nursery System“. Von den rund 11.000 Vogelarten weltweit praktizieren nur etwa 50 diese Form der kollektiven Brutpflege. Karataş vergleicht dieses System mit einer menschlichen Kindertagesstätte. Während ein Großteil der Altvögel die Kolonie täglich zur Nahrungssuche verlässt, bleiben mehrere Hundert Tiere als „Betreuer“ zurück. Sie halten die Küken in großen Gruppen zusammen, schützen sie vor Gefahren und führen sie zu geeigneten Futterplätzen, bis die Eltern zurückkehren. Neben Flamingos zeigen unter anderem Pinguine dieses Verhalten.

Grundlage ihres Überlebens ist die hochspezialisierte Ernährung der Tiere. Flamingos filtrieren mit kammartigen Strukturen in ihren Schnäbeln vor allem Salinenkrebse (Artemia salina) und mikroskopisch kleine Algen aus dem Wasser. Dadurch sind sie zwingend auf salzhaltige Feuchtgebiete wie den Tuz Gölü und die umliegenden Seen angewiesen.

Forscher betonen, dass der Erhalt dieser einzigartigen Ökosysteme nicht nur für die Zukunft einer der weltweit bedeutendsten Flamingo-Kolonien, sondern auch für das gesamte ökologische Gleichgewicht und zahllose weitere Arten entscheidend ist.