TÜRSAB-Berater kritisiert deutsche Visapolitik gegenüber der Türkei

16.07.2026 – 15:00 Uhr

Numan Olcar, Präsidialberater des türkischen Reisebüroverbands TÜRSAB, hat die deutsche Visapraxis gegenüber der Türkei deutlich kritisiert. Während Deutschland zahlreichen Staaten visumfreies Reisen für bis zu 90 Tage innerhalb von 180 Tagen gewähre, bleibe die Türkei von dieser Regelung ausgeschlossen. Ein Zustand, der laut Olcar mit den engen Beziehungen beider Länder nicht vereinbar ist.

Olcar verwies auf die millionenfachen sozialen Verbindungen sowie die intensiven Handels-, Wirtschafts- und Tourismusbeziehungen zwischen beiden Ländern. Dennoch sähen sich türkische Staatsbürger zunehmend langwierigen und kostspieligen Visaverfahren gegenüber. „Menschen warten monatelang auf einen Visumstermin. Geschäftsleute können nicht sicher planen, ob sie ihre Meetings wahrnehmen können. Studenten können nicht sicher sein, ob sie rechtzeitig zu ihren Bildungsprogrammen erscheinen können. Und Bürger können nicht sicher sein, ob sie ihre geplanten Reisen antreten können“, so der TÜRSAB-Berater. Dies sei längst nicht mehr nur eine Frage der Reisefreiheit, sondern ein gravierender Störfaktor für Handel, Tourismus und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Zugleich nahm Olcar auch die Türkei selbst in die Pflicht. Die Kritik dürfe sich nicht einseitig gegen Deutschland oder die Europäische Union richten. Auch Ankara müsse selbstkritisch hinterfragen, welche Reformkriterien im Visa-Liberalisierungsprozess weiterhin unerfüllt blieben und welche notwendigen Schritte bislang versäumt worden seien.

Olcar betonte, dass man keine Sonderbehandlung erwarte, sondern ein faires, berechenbares und am Grundsatz der Gegenseitigkeit orientiertes Visasystem, das der wirtschaftlichen und strategischen Bedeutung der Türkei gerecht werde.