Ein türkischer Flughafen hat eigenen Angaben zufolge eine globale Pionierleistung vollbracht. Mit der Fertigstellung der zweiten Ausbaustufe einer Photovoltaikanlage auf dem Terminaldach wird der gesamte jährliche Strombedarf des YDA Dalaman Havalimanı durch selbst erzeugte Sonnenenergie gedeckt. Laut der Flughafengesellschaft ist dies weltweit das erste Terminal, das diesen Autarkiegrad erreicht.
Die erste Ausbaustufe der Aufdach-Anlage wurde im Mai 2024 in Betrieb genommen und deckte zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 55 Prozent des Strombedarfs. Mit dem Abschluss der zweiten Phase im Juni dieses Jahres summiert sich die verbaute Leistung nun auf 14,45 Megawatt. Die Module erstrecken sich über eine riesige Dachfläche von rund 74.500 Quadratmetern.
Die jährliche Stromproduktion liegt nach Betreiberangaben bei über 20.000 Megawattstunden. Dies entspricht rechnerisch dem gesamten Energieverbrauch des Terminals, das jährlich mehr als fünf Millionen Passagiere abfertigt. Durch die Umstellung auf regenerative Eigenversorgung werden pro Jahr etwa 8.500 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen vermieden, was einer Entlastung der Umwelt durch die Bindung von circa 380.000 Bäumen entspricht.
Neben der reinen Stromerzeugung entfaltet die Installation einen willkommenen Nebeneffekt: Die insgesamt 25.500 Solarmodule wirken als Verschattungselement. Dadurch sinkt die Temperatur im Terminalinneren um etwa zwei Grad Celsius. Das reduziert den Energieaufwand für die Klimatisierung besonders in den heißen Sommermonaten spürbar, hieß es.
Yiğit Laçin, der Vorstandsvorsitzende des Flughafens, betonte die Einzigartigkeit des Projekts: Es nutze die bestehende Gebäudestruktur, ohne dass zusätzliche Flächen verbraucht würden, und mache das Terminal selbst zum Kraftwerk. „Wir können sagen, dass unser Projekt das weltweit erste ist, das den jährlichen Strombedarf eines Flughafenterminals vollständig aus der eigenen Dachfläche deckt”, so Laçin weiter.
Die Investition sei nicht nur ökologisch, sondern auch betriebswirtschaftlich vorteilhaft. Angesichts volatiler Energiepreise habe die Solaranlage die Betriebs- und Energiekosten erheblich gesenkt. Der Flughafen ist eigenen Angaben zufolge nach dem Airport Carbon Accreditation-Programm des Airports Council International (ACI) mit dem Level 3+ als CO₂-neutral zertifiziert und forciert darüber hinaus weitere Nachhaltigkeitsmaßnahmen. So sei das Management auf Elektrofahrzeuge umgestiegen und auf dem Parkplatz seien öffentliche Ladesäulen für Passagiere installiert worden.
Laçin begründet den Nachhaltigkeitskurs des Standorts an der türkischen Ägäisküste, einer der längsten Küstenstreifen Europas, auch strategisch: „Wir wollen ein Unternehmen sein, das nicht nur von dieser Natur profitiert, sondern sie auch schützt.“ Er hoffe auf eine breite Nachahmung: „Zukünftige Flughäfen sind ohne Nachhaltigkeit nicht denkbar.” Dabei erfahre man auch Unterstützung von den türkischen Luftfahrt- und Infrastrukturbehörden.