Türkei will Weltklimagipfel 2026 zur „Action-Show“ machen – und stellt radikale Ziele vor

27.06.2026 – 18:00 Uhr

Die Türkei drückt beim Klimaschutz aufs Tempo: Statt neuer Dialogrunden soll der kommende UN-Weltklimagipfel COP31 in Antalya ein reiner „Umsetzungsgipfel“ werden. Umweltminister Murat Kurum kündigte in London einen Fahrplan an, der die Bereiche Elektrizität, Städtebau und globale Finanzströme radikal verändern soll – inklusive einer Billionengefahr durch El Niño.

Während der Londoner Klima-Aktionswoche machte der Minister deutlich, dass sich die Staatengemeinschaft keine weiteren Verzögerungen leisten könne. Neben den wirtschaftlichen Folgen von Kriegen und einer wachsenden Schuldenlast wies Kurum auf eine oft unterschätzte Bedrohung hin: Das Wetterphänomen El Niño könnte laut Studien weltweit Verluste von rund fünf Billionen US-Dollar verursachen – das menschliche Leid ist dabei noch nicht einmal eingerechnet.

„Wir wollen eine COP, die nicht nur redet, sondern liefert“, so die Kernbotschaft Kurums, der in London auch UN-Generalsekretär António Guterres traf. Im Zentrum der türkischen Agenda steht ein massiver Umbau des globalen Energiesystems. Die Türkei wirbt für ein verbindliches Ziel, demzufolge der Stromanteil am gesamten Endenergieverbrauch bis 2035 35 Prozent erreichen soll – getrieben durch erneuerbare Energien.

Geld und Müll: Konkrete Zahlen für 2035

Ein zentraler Hebel bleibt das Geld. Kurum pocht auf die Einhaltung des sogenannten Baku-Finanzziels, das eine jährliche Mobilisierung von mindestens 300 Milliarden US-Dollar für Entwicklungsländer vorsieht. Ohne Zugang zu Kapital seien die Klimaziele nicht zu schaffen.

Auch bei Müll und Rohstoffen will sich die Türkei nicht mit Absichtserklärungen zufriedengeben. Im Gespräch ist ein Ziel, das Wachstum des weltweiten Abfallaufkommens bis 2035 zu halbieren. Parallel dazu soll die Industrie umsteuern: Ein Anteil von mindestens 15 Prozent an recycelten Materialien in der Fertigung wird als Zielmarke genannt.

Erdbeben als Blaupause für „grüne Städte“

Der Minister illustrierte die Pläne für resiliente Städte besonders drastisch am Beispiel der Erdbeben-Katastrophe von 2023: Innerhalb von zwei Jahren habe die Türkei 455.000 energieeffiziente Häuser wiederaufgebaut und damit den Energieverbrauch um 39 Prozent gesenkt. Für die COP31 schlägt das Land nun vor, die Energieintensität des gesamten Gebäudesektors bis 2035 global um mindestens 25 Prozent zu reduzieren.

Um Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung besser zu verzahnen, plant die Türkei zudem die Lancierung einer neuen Initiative namens „Climate Implementation Bridge“. Diese soll vor allem Entwicklungsländern dabei helfen, Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen.

Klimakunde soll Pflicht werden

Abseits der großen Technik-Themen setzt Kurum auch auf Bildung. Bis 2030 soll der Klimawandel in die nationalen Lehrpläne möglichst vieler Länder integriert werden. Der Minister appellierte an Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die Prioritäten des Antalya-Gipfels jetzt zu unterstützen. Der Gipfel solle ein „zukunftsorientierter Gipfel mit greifbaren Ergebnissen“ werden.