Türkei verschärft Datenschutz: Schulen müssen Schülerfotos aus sozialen Medien entfernen

13.07.2026 – 8:00 Uhr

ISTANBUL – Das türkische Bildungsministerium hat Schulen im ganzen Land angewiesen, keine Fotos oder persönlichen Daten von Schülerinnen und Schülern mehr in sozialen Netzwerken oder auf anderen Online-Plattformen zu veröffentlichen. Bereits veröffentlichte Inhalte mit personenbezogenen Daten sollen entfernt werden.

Die neue Regelung wurde am 9. Juli als Maßnahmenpaket mit zehn Punkten im Rahmen der Datenschutzbestimmungen an Schulen in der gesamten Türkei verschickt. Sie richtet sich gegen die öffentliche Verbreitung personenbezogener Informationen von Schülern und Schulpersonal.

Künftig dürfen Schulen auf ihren Webseiten, Social-Media-Kanälen oder anderen digitalen Plattformen keine Inhalte mehr teilen, die persönliche Daten enthalten. Dazu zählen unter anderem Klassenlisten, Schülernummern, türkische Identifikationsnummern, Prüfungsergebnisse, Anwesenheitsdaten und Informationen zur schulischen Leistung.

Auch Fotos und Videos, auf denen Schülerinnen und Schüler oder Mitarbeiter der Schulen zu sehen sind, fallen unter die neue Regelung.

Die Schulleitungen wurden zudem aufgefordert, bereits veröffentlichte Inhalte zu überprüfen. Öffentlich zugängliche Dokumente, Ankündigungen, Bilder, Videos oder andere Dateien mit personenbezogenen Daten müssen aus dem Internet entfernt werden.

Sollten im Rahmen von Bildungsaktivitäten weiterhin Fotos oder Videos aufgenommen und veröffentlicht werden, müssen Schulen künftig vorher genau festlegen, welchem Zweck die Aufnahmen dienen, auf welcher Plattform sie geteilt werden, wie lange sie gespeichert bleiben und wer Zugriff darauf erhält.

Hintergrund der neuen Vorschriften sind anhaltende Diskussionen über Lehrer, die Unterrichtssituationen filmten und Aufnahmen mit Schülern in sozialen Medien veröffentlichten. Einige dieser Lehrer bauten dadurch große Reichweiten als sogenannte Social-Media-Influencer auf.

Kritiker, darunter Pädagogen und Kinderschutzorganisationen, hatten wiederholt darauf hingewiesen, dass Kinder nicht als Inhalte für Online-Publikum genutzt werden sollten. Sie sehen in der Veröffentlichung solcher Aufnahmen eine mögliche Verletzung der Privatsphäre von Schülerinnen und Schülern.