Türkei: Unter falschem Vorwand ins Auto gelockt – Justiz spricht von eiskaltem Mordplan

Symbolbild: DHA
08.02.2026 – 15:00 Uhr

Im Zusammenhang mit der Ermordung des 29-jährigen Emre Bulut in Kahramanmaraş hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen acht Beschuldigte erhoben, von denen vier in Untersuchungshaft sitzen. Den Hauptangeklagten wird vorsätzlicher Mord mit Planungsvorsatz vorgeworfen. In mehreren Fällen fordert die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft unter erschwerten Bedingungen.

Der Mord ereignete sich am 6. Mai 2025 im Stadtteil Boğaziçi. Anwohner hatten Schüsse in der Nähe eines Wasserkanals gehört und die Polizei alarmiert. Einsatzkräfte fanden Emre Bulut tot in einem geparkten Auto. Er war mit einer Schrotflinte unterhalb des Kinns erschossen worden.

Mord gestanden – Tat laut Anklage vorbereitet

Als mutmaßlicher Schütze gilt Hamit Aydoğdu (31), der sich drei Tage nach der Tat mit der Tatwaffe bei der Gendarmerie stellte und den Mord gestand. Laut Anklageschrift hatte Aydoğdu den Mitangeklagten Fırat Şavkılı (28)beauftragt, Bulut unter einem Vorwand zu sich zu locken. Şavkılı traf Bulut angeblich mit dem Vorwand einer Einladung auf Eis und brachte ihn zu einem Markt, vor dem Aydoğdu wartete. Dort stieg Aydoğdu auf den Rücksitz des Autos, woraufhin die Tat begangen wurde.

Aydoğdu gab an, aus Rache gehandelt zu haben. Er erklärte, sein Onkel sei 2022 ermordet worden und die Familie des Opfers habe ihn dafür verantwortlich gemacht und verleumdet. Er behauptete, Bulut habe ihm im Auto mit einem Messer gedroht, woraufhin er „reflexartig“ geschossen habe.

Widersprüche in den Aussagen

Die Ermittler stellten jedoch fest, dass weder am Tatort noch am Körper des Opfers ein Messer gefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft geht daher davon aus, dass es sich nicht um eine spontane Tat, sondern um einen kaltblütig geplanten Mord handelte.

Fırat Şavkılı erklärte in seiner Aussage, er habe Aydoğdu nicht gekannt und sei von Meyse Yanar (29) dazu gebracht worden, das Vertrauen des Opfers zu gewinnen. Erst im Auto habe er bemerkt, dass sich ein bewaffneter Mann auf dem Rücksitz befand. Nach dem Schuss habe Aydoğdu ihn geschlagen und bedroht.

Meyse Yanar wiederum gab an, sie habe unter Drohung und Gewalt gehandelt und nichts von einem Mordplan gewusst. Weitere Angeklagte bestritten die Vorwürfe.

Forderung: Mehrfach lebenslang

Die Staatsanwaltschaft fordert:

  • Lebenslange Haft wegen geplanten Mordes für mehrere Angeklagte,

  • zusätzlich bis zu 20 Jahre Haft wegen Beihilfe,

  • sowie bis zu fünf Jahre Haft wegen Vertuschung von Beweismitteln für eine weitere Beschuldigte.

Der Prozess wird vor dem 4. Schwurgericht in Kahramanmaraş geführt.