Türkei: “Seismischer Sturm” hält an – Erdbebenserie hält Sındırgı in Atem

27.01.2026 – 12:00 Uhr

Balıkesir – Die erdbebengefährdete Stadt Sındırgı in der nordwesttürkischen Provinz Balıkesir kommt nicht zur Ruhe. Am frühen Morgen des 26. Januar wurde die Region erneut von einem Erdbeben der Stärke 4,4 erschüttert. Experten sprechen weiterhin von einem anhaltenden „seismischen Sturm“, der das Gebiet seit Monaten belastet.

Das jüngste Beben reiht sich in eine Serie erhöhter seismischer Aktivität ein, die nach zwei starken Erdbeben der Magnitude 6,1 im August und Oktober vergangenen Jahres eingesetzt hatte. Erst am 25. Januar war Sındırgı von einem 5,1-starken Beben sowie mehreren Erschütterungen mit Stärken zwischen 4,1 und 4,5 getroffen worden.

Tausende Nachbeben seit August

Professor Hasan Sözbilir, Leiter des Erdbebenforschungszentrums der Dokuz-Eylül-Universität, erklärte, das jüngste stärkere Beben habe einen Teil der aufgestauten Spannung im unterirdischen Störungssystem abgebaut. Feldstudien nach den Hauptbeben führten zur Entdeckung einer mehrteiligen aktiven Verwerfungszone, der sogenannten Emendere-Störungszone, die sich über bis zu 40 Kilometer südlich von Sındırgı erstreckt.

Nach Angaben des Experten brachen zunächst westliche Segmente der Verwerfung, während sich die nachfolgenden Erdstöße schrittweise in südöstliche Richtung verlagerten.

Experten warnen vor anhaltender Aktivität

„Ab diesem Punkt rechnen wir weiterhin mit intensiver Nachbebenaktivität in Form eines Erdbebensturms“, sagte Sözbilir und rief die Bevölkerung dazu auf, offizielle Warnungen und Hinweise genau zu beachten.

Der Begriff „seismischer Sturm“ beschreibt eine Phase, in der über einen längeren Zeitraum häufige und teils starke Erdbeben auftreten – im Gegensatz zu einem einzelnen Hauptbeben mit langsam abklingenden Nacherschütterungen.

Seit August wurden in der Region laut Messungen mehr als 25.000 Nachbeben registriert, viele davon mit Magnituden über 4,0. Die Behörden beobachten die Lage weiterhin aufmerksam.