Geologen haben unter dem Erzurum-Becken in der östlichen Türkei eine riesige Vulkan-Caldera identifiziert. Die kreisförmige Struktur hat einen Durchmesser von etwa 60 Kilometern und ist damit die größte bekannte Caldera in Osttürkei.
Laut Mehmet Salih Bayraktutan, Gründer des Erdbebenforschungszentrums der Atatürk University, verändert diese Entdeckung grundlegend das Verständnis der geologischen Entwicklung des Beckens. Bisher galt das Erzurum-Becken als tektonisches „Pull-Apart“-Becken – ein Modell, das Feldbeobachtungen nie vollständig stützten.
Stattdessen zeige die neue Forschung, dass das Becken als kompressionsbedingte Vulkan-Caldera entstanden ist, die Bayraktutan und sein Team „Palandöken Caldera“ nennen.
Erste Hinweise auf die Caldera gab es bereits 1985. In den folgenden Jahrzehnten bestätigten Satellitenbilder, Fernerkundungsanalysen und detaillierte Feldstudien die Existenz der großen kreisförmigen Struktur rund um Erzurum.
Die Palandöken Caldera wird auf rund 6 Millionen Jahre datiert und besteht überwiegend aus andesitischen und basaltischen Vulkaniten. Frühere Lavaflüsse seien zum Beckenmittelpunkt hin abgefallen, wo sich später ein tiefes Seebecken bildete. Vom Rand zur Mitte hätten sich Sedimente abgelagert, während feinkörnige Vulkanasche sich über das gesamte Becken verteilt habe.
Im Inneren der Caldera finden sich komplexe Schichten aus vulkanischen und sedimentären Gesteinen, die eine lange Geschichte von Vulkanismus, Seebildung und Sedimentation dokumentieren. Teile des Caldera-Randes sind noch als bogenförmige Segmente im Süden, Osten, Norden und Westen sichtbar, die zusammen einen fast vollständigen 60 km breiten Caldera-Ring bilden.
Erdbeben hätten Teile der Caldera-Wand im Westen und Nordwesten zerstört, sodass Material in Seebecken gelangen konnte. Diese Sedimente bildeten übereinander liegende Fächerdelta-Systeme, die heute das Untergrundfundament der Daphan-Ebene bilden.
Bayraktutan betonte, dass trotz über eines Jahrhunderts geologischer Forschung in der Region bislang keine wissenschaftliche Publikation die Palandöken Caldera formal beschrieben hat. Zur endgültigen Bestätigung der Struktur seien Tiefbohrungen an fünf bis sechs Stellen im Erzurum-Becken notwendig.