ANKARA – Das türkische Parlament debattiert derzeit einen Gesetzesentwurf, der Nutzungsrechte in National- und Naturparks auf bis zu 99 Jahre ausweiten und den Bau von Tourismusanlagen sowie Infrastrukturprojekten innerhalb dieser Gebiete erlauben würde.
Der Entwurf, der bereits von der Parlamentarischen Kommission für ländliche Angelegenheiten abgesegnet wurde, sieht vor, dass touristische Einrichtungen in Nationalparks gebaut werden dürfen, sofern sie außerhalb offiziell geschützter Kernzonen liegen, dem öffentlichen Interesse dienen und mit den Landnutzungsplänen übereinstimmen.
Die Nutzungsrechte sollen zunächst für bis zu 49 Jahre gewährt werden. Betriebe, die vom Kultur- und Tourismusministerium als erfolgreich zertifiziert werden, könnten die Laufzeit auf 99 Jahre verlängern – vorbehaltlich einer Bewertung durch das Landwirtschafts- und Forstministerium. Nach Ablauf der Frist würden die Anlagen wieder unter staatliche Kontrolle der Naturschutzbehörde fallen.
Zudem erlaubt der Entwurf den Ausbau von Infrastrukturprojekten innerhalb der Parkgrenzen, darunter Straßen, Stromleitungen, Öl- und Gas-Pipelines, Kommunikationsnetze, Transformatorstationen und Wasseranlagen – wenn dies durch öffentliches Interesse und Notwendigkeit gerechtfertigt ist.
Das Gesetz sieht außerdem strengere Strafen für illegale Bauarbeiten, Eingriffe in die Natur oder Schäden an Wildtieren vor. Verstöße könnten mit ein bis drei Jahren Haft und Geldstrafen von bis zu 5.000 Tagessätzen geahndet werden. Wer Nationalparks ohne Eintrittsgeld betritt, muss künftig eine Verwaltungsstrafe in Höhe des 14-fachen Eintrittspreises zahlen.
Nationalparks in der Türkei dienen dem Schutz der reichen Biodiversität, einzigartiger Landschaften, Wälder, Feuchtgebiete und Tierwelt sowie der Erhaltung wissenschaftlich, kulturell und historisch wertvoller Stätten.