Türkei: Nach Großbrand mit 78 Toten in Kartalkaya prüfen Richter jetzt Urteil gegen Hotelbetreiber

27.02.2026 – 17:00 Uhr

Mehr als ein Jahr nach der verheerenden Brandkatastrophe in einem Skihotel in der türkischen Provinz Bolu ist das Verfahren gegen die Verantwortlichen in die nächste Instanz gegangen. Die umfangreiche Prozessakte wurde am Donnerstag zur Prüfung an das Berufungsgericht (Istinaf) in Sakarya überstellt.

Bei dem Unglück im bekannten Hotel „Grand Kartal“ im Skigebiet Kartalkaya waren in der Nacht zum 21. Januar 2025 insgesamt 78 Menschen ums Leben gekommen. Die Gäste, darunter viele Familien mit Kindern, wurden damals in ihren Zimmern von den Flammen überrascht. Das Feuer war im Restaurantbereich des Holzbaus ausgebrochen und hatte sich rasend schnell im gesamten Gebäude ausgebreitet. Später bemängelten Experten unter anderem fehlende Feuermelder, unzureichende Fluchtwege und brennbare Fassadenverkleidungen.

Das Strafverfahren wurde vor dem 1. Schwurgericht in Bolu verhandelt. Nun hat die zuständige Kammer die Akten mit über 100 Ordnern an die erste Strafkammer des Berufungsgerichts in Sakarya weitergeleitet. Diese wird nun prüfen, ob das Urteil der ersten Instanz rechtsfehlerfrei zustande gekommen ist.

Laut Medienberichten hatten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Anwälte der Hinterbliebenen Einspruch gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegt. Viele Angehörige der Opfer werfen den Behörden vor, zu milde Strafen gefordert und zu wenig auf Sicherheitsmängel reagiert zu haben. Nach Abschluss der Prüfung in Sakarya wird erwartet, dass der Fall an den Kassationshof (Yargıtay) in Ankara weitergeleitet wird. Der Kassationshof ist das höchste Gericht der Türkei. Ein endgültiges Urteil könnte somit noch Monate auf sich warten lassen.