Türkei erreicht Meilenstein: Erstes selbst entwickeltes Krebsmedikament besteht Phase-1-Studien

08.04.2026 – 15:00 Uhr

ANKARA – Die Türkei hat einen wichtigen Fortschritt in der pharmazeutischen Forschung erzielt: Das erste im Land selbst entwickelte Medikamentkandidat gegen Krebs hat erfolgreich die Phase-1-Studien abgeschlossen, wie Gesundheitsminister Kemal Memişoğlu bekanntgab.

Bei einem Pressetermin erklärte Memişoğlu, dass das Molekül – vollständig innerhalb des türkischen Wissenschaftssystems entwickelt – in den frühen klinischen Studien überzeugende Ergebnisse gezeigt habe. „Zum ersten Mal entdeckt die Türkei ein Molekül in eigenen Laboren, Krankenhäusern, akademischen Einrichtungen und durch eigene Wissenschaftler. Heute hat es in Phase-1-Studien seine hohe Wirksamkeit bewiesen“, sagte der Minister.

Der neu entwickelte Medikamentkandidat stammt aus der Forschung an der Boğaziçi-Universität und wurde in Zusammenarbeit mit dem Koç University Hospital sowie dem Abdurrahman Yurtaslan Onkologie-Forschungs- und Ausbildungszentrum entwickelt.

Die Forschungsleiterin Rana Sanyal, Mitgründerin von RS Research, erklärte, dass die Technologie es ermögliche, Tumorzellen gezielt anzugreifen, wodurch Nebenwirkungen reduziert und die therapeutische Wirkung erhöht werden. Auf Basis derselben Plattform werden derzeit mehrere weitere Medikamentkandidaten für verschiedene Krebsarten entwickelt.

Die Phase-1-Studie wurde an Patienten mit soliden Tumoren durchgeführt. Die Behörden erwarten, dass der Kandidat in Phase 2 und Phase 3-Studien übergeht. Sollte dies erfolgreich sein, wäre es das erste Mal, dass ein vollständig im Inland entwickeltes Molekül für den globalen medizinischen Einsatz bereitgestellt wird. Memişoğlu bezeichnete dies als die Türkei, die „ihr erstes Molekül der Weltgesundheit schenkt“.

Parallel dazu informierte der Minister über die umfassende Krebspräventionsstrategie des Landes. Die Türkei bietet kostenlose Krebsvorsorgeuntersuchungen – unter anderem für Brust-, Gebärmutterhals- und Darmkrebs – an, die über Hausärzte, öffentliche Gesundheitszentren und mobile Einheiten auch in unterversorgten Regionen verfügbar sind.

Im vergangenen Jahr nahmen rund 7,7 Millionen Bürger an den kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen teil. Dabei wurden 276.000 Personen als Verdachtsfälle identifiziert, von denen bei etwa 28.000 frühe Anzeichen von Krebs festgestellt wurden.

Darüber hinaus hat das Land den Einsatz von KI-gestützten Diagnosesystemen ausgeweitet, die nach Angaben der Behörden die Früherkennung und Präzision der Behandlung verbessern.