Die Türkei wird von immer intensiveren Hitzewellen getroffen. Eine Studie von Wissenschaftlern der Istanbuler Technischen Universität (İTÜ) zeigt: Die Sommer 2023 und 2025 waren die extremsten Hitzeperioden seit Beginn der Messungen im Jahr 1950.
Für die Untersuchung analysierten die Forscher die Entwicklung von Hitzewellen in der Türkei zwischen 1950 und 2025. Grundlage war der sogenannte Heat Wave Magnitude Index daily (HWMId), ein international verwendeter Index zur Bewertung der Stärke außergewöhnlicher Hitzeereignisse.
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Anstieg sowohl bei der Häufigkeit als auch bei der Intensität der Hitzewellen. Während die durchschnittlichen Sommertemperaturen zwischen 1970 und 1990 noch bei etwa 22 bis 23 Grad Celsius lagen, stiegen sie nach Beginn der beschleunigten Erwärmung in den 2000er-Jahren auf 24 bis 25 Grad.
Im Jahr 2024 wurde mit einer durchschnittlichen Sommertemperatur von 26,1 Grad Celsius ein neuer Temperaturrekord erreicht.
Besonders auffällig ist jedoch, dass die Stärke der Hitzewellen noch schneller zunimmt als die Durchschnittstemperaturen. Verglichen mit dem Zeitraum 1980 bis 2009 waren die Hitzewellen im Sommer 2023 mehr als siebenmal intensiver. Im Jahr 2025 lag die Intensität sogar fast elfmal höher – damit gelten diese beiden Sommer als die stärksten Hitzeperioden der vergangenen 75 Jahre.
Die Forscher betonen, dass nicht jeder Temperaturrekord automatisch mit den extremsten Hitzewellen zusammenfällt. Obwohl 2024 der heißeste Sommer nach Durchschnittswerten war, waren die Hitzewellen in den Jahren 2023 und 2025 deutlich heftiger.
Als Ursachen nennen die Wissenschaftler ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren: lang anhaltende Hochdrucklagen, warme Luftströmungen, steigende Meerestemperaturen, Trockenheit und geringe Bodenfeuchtigkeit.
Die Studie wurde von dem Klimawissenschaftler Barış Önol und dem Meteorologen Tolga Karakaya von der İTÜ durchgeführt. Nach Einschätzung der Forscher deuten die Ergebnisse auf einen grundlegenden Wandel des Klimas in der Türkei und im östlichen Mittelmeerraum hin.
Auch die Zukunftsprognosen zeichnen ein alarmierendes Bild: Unter einem Szenario mit hohen Treibhausgasemissionen könnte die Zahl der Hitzewellentage deutlich steigen. Zwischen 2021 und 2050 werden demnach jährlich etwa 16 Hitzetage in Istanbul, Ankara und Konya, rund 18 Tage in Antalya und 23 Tage in Izmir erwartet.
Zum Vergleich: Zwischen 1976 und 2005 lag der Durchschnitt noch bei lediglich drei bis fünf Hitzetagen pro Jahr.
Für den Zeitraum 2051 bis 2080 könnten die Werte weiter steigen: Prognostiziert werden etwa 38 Hitzetage in Istanbul und Ankara, rund 40 Tage in Antalya und Konya sowie bis zu 53 Tage in Izmir.
Die Wissenschaftler sehen darin einen dringenden Hinweis darauf, dass Städte und Regionen ihre Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel verstärken müssen.