Türkei erlebt eine der schwersten Dürren seit 50 Jahren

12.02.2026 – 8:00 Uhr

Istanbul – Die Türkei hat im Jahr 2025 eine der schwersten Dürren der vergangenen 50 Jahre erlebt. Experten warnen, dass sich die Trockenheit zunehmend zu einem chronischen und strukturellen Problem entwickelt.

Laut den vom Türkischen Staatlichen Wetterdienst veröffentlichten Karten des Standardniederschlagsindex (SPI) für 2025 sind insbesondere die 12- und 24-Monats-Werte alarmierend. Der SPI, ein von der Weltorganisation für Meteorologie empfohlenes Instrument zur Überwachung meteorologischer Dürren, liegt bei minus 2 oder darunter – ein Wert, der auf eine schwere Dürre hinweist.

Prof. Dr. Mikdat Kadıoğlu vom Fachbereich Klima- und Meteorologieingenieurwesen der Technischen Universität Istanbul erklärte, dass die Türkei 2025 eine der heftigsten Dürren seit einem halben Jahrhundert erlebt habe.

„Ein deutliches Wasserdefizit zieht sich von Jahr zu Jahr durch weite Teile des Landes. Das ist das neue Normal unter den Bedingungen des Klimawandels“, sagte er.

Mehrere aufeinanderfolgende Jahre mit geringen Niederschlägen hätten die Fähigkeit der Böden, Feuchtigkeit zu speichern, geschwächt, die Grundwasserspiegel unter kritische Schwellenwerte sinken lassen und das Risiko von Erdfällen erhöht.

Während Drei-Monats-Karten kurzfristige Wetterentwicklungen widerspiegelten, seien insbesondere die 12- und 24-Monats-Daten entscheidend, da sie Auswirkungen auf Stauseen, Grundwasser, landwirtschaftliche Produktion und die Gesamtwirtschaft hätten.

Die aktuellen Langzeitkarten zeigen weite rote und schwarze Zonen über große Teile der Türkei. Im August 2025 fielen rund 70 Prozent der Landesfläche laut 12-Monats-SPI in die Kategorie „schwere oder extrem schwere Dürre“ – ein anhaltender Dürregürtel habe sich gebildet.

In Istanbul, der größten Metropole des Landes mit über 15,7 Millionen Einwohnern, wurden im Juni 2025 lediglich 0,5 Millimeter Niederschlag gemessen – ein Rückgang von 99 Prozent im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt. Die Füllstände der Stauseen lagen zeitweise nur noch bei rund 30 Prozent, später Berichten zufolge sogar noch darunter.

Auch Ankara und die Region Zentralanatolien verzeichneten die niedrigsten Niederschlagswerte seit 65 Jahren. Die Hauptstadt selbst erlebte ihre trockenste Phase seit 47 Jahren, was erhebliche Auswirkungen auf Landwirtschaft und Wasserressourcen hatte.

In der Region Thrakien im Nordwesten des Landes kam es zu massiven Ernteausfällen. So gingen die Erträge bei Sonnenblumen um bis zu 90 Prozent zurück, zudem sank der Ölgehalt der Samen infolge von Hitzestress deutlich.

Nach Einschätzung von Kadıoğlu weist der Wasserhaushalt der Türkei inzwischen auf 12- und 24-Monats-Skalen ein chronisches Defizit auf, das mit herkömmlichen Methoden nicht mehr auszugleichen sei. Die Schwankungen zwischen Dürre und niederschlagsreichen Phasen würden stärker und abrupter.

Der Experte betonte, dass dringende Wassersparmaßnahmen, Anpassungsstrategien in der Landwirtschaft und langfristige Klimapolitiken nicht länger optional, sondern zwingend notwendig seien. Nationale, einzelflussgebietsbezogene und grundlegende Entscheidungen im Wassermanagement seien unausweichlich.