Trotz Visa-Hürden: Türkische Touristen strömen in Scharen auf die griechischen Inseln

Eine Bucht auf der Insel Rhodos (Bildquelle: Unsplash.com)
Eine Bucht auf der Insel Rhodos (Bildquelle: Unsplash.com)
23.06.2025 – 14:30 Uhr

Trotz bürokratischer Hürden und langwieriger Visa-Verfahren zieht es in diesem Jahr immer mehr türkische Urlauber auf die griechischen Inseln. Für das Jahr 2025 werden rund 1,4 Millionen türkische Touristen in Griechenland erwartet – ein neuer Rekord, der die anhaltende Unzufriedenheit mit den stark gestiegenen Preisen im eigenen Land widerspiegelt.

Flucht vor hohen Preisen in der Türkei

Steigende Kosten für Hotels, Restaurants und Strandbesuche treiben viele Türken ins benachbarte Ausland. Während in beliebten Ferienregionen wie Bodrum und Marmaris die Preise weiter in die Höhe schießen, entdecken immer mehr Urlauber die griechischen Inseln als attraktive Alternative. Selbst Regionen wie Ayvalık und Kuşadası, die traditionell inländische Gäste anziehen, verzeichnen nun eine verstärkte Abwanderung ins Ausland.

Griechenland überzeugt mit günstigeren Angeboten

„Trotz des Wechselkurses von rund 45 Türkischen Lira für einen Euro sind Unterkünfte und Verpflegung auf den Inseln oft günstiger als in der Türkei“, erklärt Murat Orhan, Geschäftsführer der Istanbul Deniz Otobüsleri (İDO). Vor allem kostenlose Strände und preiswerte Tavernen auf griechischer Seite sorgen für einen deutlichen Preisvorteil. „Viele Orte verlangen nicht einmal eine Gebühr für die Sonnenliegen – das ist für unsere Kunden ein entscheidender Pluspunkt“, so Orhan weiter.

Visa-Hürden schrecken kaum noch ab

Zwar wird die „Visa an der Grenze“-Regelung offiziell beworben, doch laut Orhan ist deren praktische Umsetzung nach wie vor begrenzt. Von den 155.000 Passagieren, die İDO im letzten Jahr auf griechische Inseln beförderte, nutzten nur rund 5.000 diese Möglichkeit. Daher reisen bevorzugt Urlauber mit grünem Pass oder langfristigem Schengen-Visum. Dennoch sei die Nachfrage deutlich gestiegen, auch auf neuen Strecken wie Fethiye–Rhodos oder Dikili–Lesbos.

Verdoppelung der Fahrgastzahlen angestrebt

Angesichts der hohen Nachfrage und trotz massiv gestiegener Betriebskosten – Orhan zufolge um 95 Prozent pro Fahrgast – plant İDO, seine Kapazitäten deutlich auszubauen. Mit neuen Verbindungen zu insgesamt sechs griechischen Inseln will das Unternehmen im Jahr 2025 rund 300.000 Passagiere befördern – fast doppelt so viele wie im Vorjahr.

Türken geben Milliarden in Griechenland aus

Laut einer Studie des türkischen Hotelierverbands TÜROB reisten bereits im Vorjahr 1,2 Millionen Türken nach Griechenland, wo sie rund eine Milliarde Euro ausgaben. Für 2025 wird mit einem weiteren Anstieg auf 1,4 Millionen gerechnet. Gleichzeitig erwartet man rund 800.000 griechische Besucher in der Türkei.

Auch der Tourismusminister reist

Für mediale Aufmerksamkeit sorgte Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy, der kürzlich auf einer Luxusjacht in einer Marina in Athen gesichtet wurde. Auf Nachfrage von Hürriyet-Chefredakteur Ahmet Hakan erklärte er: „Ein Tourismusminister muss seine Konkurrenten kennen. Ich reise oft wie ein normaler Tourist – ganz unauffällig. Ich will sehen, was sie besser machen.“