Trotz aller Widrigkeiten: Chirurgen retten Gliedmaßen nach tödlichem Busunglück in Antalya

10.02.2026 – 17:00 Uhr

Antalya – Nach einem schweren Busunglück in der türkischen Provinz Antalya ist es Ärzten gelungen, zwei bei dem Unfall abgetrennte Gliedmaßen erfolgreich wieder anzunähen. Die komplexen, stundenlangen Operationen galten zunächst als unmöglich.

Der Unfall ereignete sich am Morgen des 1. Februar, als ein Reisebus auf dem Weg von der nordwestlichen Provinz Tekirdağ in die südwestliche Provinz Antalya in einer Kurve nahe dem Stadtteil Döşemealtı die Kontrolle verlor. Der Bus durchbrach die Leitplanken und stürzte in eine Schlucht. Zehn Menschen kamen dabei ums Leben, 24 weitere wurden verletzt und in umliegende Krankenhäuser eingeliefert.

Unter den Verletzten befanden sich die 33-jährige Sedef Sarı, der beim Aufprall ein Bein abgetrennt wurde, sowie der 21-jährige Yavuz Selim Yiğit, der einen Arm verlor. Die amputierten Gliedmaßen wurden von Gendarmerieteams an der Unfallstelle geborgen, in Eis gekühlt und per Krankenwagen ins Krankenhaus transportiert.

Nach ihrer Verlegung in das Stadtkrankenhaus Antalya teilte das medizinische Personal den beiden Patienten zunächst mit, dass eine Replantation der Gliedmaßen nicht möglich sei. Daraufhin wandte sich Sarıs Schwager Vedat Sarı an die renommierten Chirurgen Prof. Dr. Ömer Özkan und Prof. Dr. Özlenen Özkan, die unter anderem für die ersten Gesichts- und Doppelarmtransplantationen in der Türkei bekannt sind, und bat sie um Unterstützung.

Das Ärzteteam entschied sich daraufhin zu den Eingriffen. Prof. Dr. Ömer Özkan leitete die Operation zur Wiederanpflanzung von Sarıs Bein, während Prof. Dr. Özlenen Özkan die Replantation von Yiğits Arm übernahm. Die beiden Operationen wurden zeitgleich in benachbarten Operationssälen durchgeführt und dauerten nahezu zehn Stunden. Dabei wurden Knochen, Muskeln, Nerven und Blutgefäße mithilfe modernster mikrochirurgischer Techniken rekonstruiert.

Nach einer Phase auf der Intensivstation wurden beide Patienten auf Normalstation verlegt. Nach Angaben aus dem Krankenhaus verbessert sich ihr Gesundheitszustand kontinuierlich.

Özlenen Özkan erklärte nach den Operationen, der Erfolg sei vor allem der sachgerechten Bergung und dem schnellen Transport der amputierten Gliedmaßen zu verdanken. Besonders die erste Woche nach solchen mikrochirurgischen Eingriffen sei kritisch, da die Gefahr von Gefäßverschlüssen bestehe.

Ömer Özkan bezeichnete die Operationen als äußerst anspruchsvoll und betonte die Bedeutung der öffentlichen Aufklärung. Die Bevölkerung müsse darüber informiert werden, wie amputierte Gliedmaßen nach Unfällen richtig gelagert und transportiert werden, da korrektes und schnelles Handeln den Unterschied zwischen dauerhaftem Verlust und einer erfolgreichen Wiederherstellung ausmachen könne.