Çanakkale – Archäologen haben in der antiken Stadt Troja im Nordwesten der Türkei deutliche Spuren eines verheerenden Erdbebens aus der Spätantike entdeckt. Die Funde zeigen, dass eine große römische Straße vor rund 1.500 Jahren durch starke Erschütterungen schwer beschädigt wurde.
Die Ausgrabungen am UNESCO-Weltkulturerbe Troja werden unter der Genehmigung des türkischen Kultur- und Tourismusministeriums von der Universität Çanakkale Onsekiz Mart (ÇOMÜ) koordiniert. Die diesjährigen Arbeiten konzentrieren sich vor allem auf die Unterstadt aus hellenistischer und römischer Zeit.
Der Leiter der Troja-Ausgrabungen, Professor Rüstem Aslan, erklärte, dass die Untersuchungen wichtige neue Erkenntnisse über die römische Phase der antiken Stadt liefern. Besonders nach dem Besuch des römischen Kaisers Augustus in Troja im 1. Jahrhundert v. Chr. habe die Stadt eine bedeutende Blütezeit erlebt.
Die damals angelegte römische Unterstadt verfügte über große, prächtige Alleen, die sich in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung erstreckten. Entlang der Straßen befanden sich Villen und Geschäfte. Die Archäologen untersuchen nun die Stadtstruktur und wollen besser verstehen, wie Besucher von der Akropolis in die Unterstadt gelangten.
Besonders aufschlussreich sind die Spuren auf einer der römischen Straßen. Nach historischen Berichten wurde Troja in der Römerzeit durch zwei große Erdbeben schwer beschädigt. Die letzte große Zerstörung ereignete sich im 6. Jahrhundert n. Chr.
„Die Spuren auf dieser Straße zeigen deutlich, dass die Erdbeben der Römerzeit die Stadt schwer getroffen haben. Das letzte große Erdbeben vor etwa 1.500 Jahren führte zur endgültigen Zerstörung Trojas“, sagte Aslan.
Frühere Erdbeben hatte Troja noch überstanden und die Stadt war mehrfach wieder aufgebaut worden. Nach den schweren Beben am Ende der römischen Epoche konnte die Siedlung jedoch ihre frühere Bedeutung nicht zurückgewinnen.
Troja war nach Angaben der Archäologen von etwa 3000 v. Chr. bis 500 n. Chr. bewohnt. Über Jahrtausende blieb die legendäre Stadt trotz zahlreicher Naturkatastrophen ein bedeutendes Zentrum – bis die letzten schweren Erdbeben das Ende der antiken Besiedlung einleiteten.