Tourismusminister Ersoy: Kulturstraßen-Festival soll 2027 in 32 Städten stattfinden

18.09.2026 – 14:00 Uhr

Der türkische Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy hat angekündigt, dass das Türkiye Kültür Yolu Festivali 2027 auf 32 Städte ausgeweitet werden soll. Zugleich sprach er in Kahramanmaraş über den Wiederaufbau des kulturellen Erbes in der Erdbebenregion, neue Bibliotheken, archäologische Grabungen und die Restaurierung der Hagia Sophia.

Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy hat sich bei einem Treffen mit Journalisten in Kahramanmaraş ausführlich zur Kulturpolitik und zu den laufenden Projekten seines Ministeriums geäußert. Im Mittelpunkt standen unter anderem der Wiederaufbau historischer Gebäude nach dem Erdbeben von 2023, das Kulturstraßen-Festival und archäologische Arbeiten in der Türkei.

Ersoy erklärte, dass die Spuren des Erdbebens in Kahramanmaraş inzwischen zu einem großen Teil beseitigt seien. Ein Großteil der Bevölkerung sei in die Stadt zurückgekehrt. Gemeinsam mit den Kommunen arbeite das Ministerium zudem daran, das historische Stadtbild rund um die Ulu-Moschee wiederherzustellen.

34 Milliarden Lira für kulturelles Erbe

Für die Wiederherstellung des kulturellen Erbes in den vom Erdbeben betroffenen Provinzen läuft nach Angaben Ersoys ein Investitionsprogramm mit einem Gesamtvolumen von rund 34 Milliarden türkischen Lira.

Die Generaldirektion für Kulturgüter und Museen habe bislang 79 Projekte abgeschlossen. An 17 weiteren werde gearbeitet, während für vier bereits geplante Projekte die Ausschreibungen beginnen sollen. Dafür seien rund 12,2 Milliarden Lira vorgesehen.

Auch die Generaldirektion für Stiftungen ist an der Restaurierung historischer Gebäude beteiligt. Von 678 registrierten Bauwerken in ihrem Zuständigkeitsbereich seien 377 durch das Erdbeben beschädigt worden. Davon seien bereits 209 restauriert und wieder für die Nutzung geöffnet worden.

Bis Ende 2026 sollen weitere 58 Bauwerke fertiggestellt werden. Die verbleibenden 110 sollen in der ersten Hälfte des Jahres 2027 folgen. Insgesamt sollen damit noch 168 historische Bauwerke wiederhergestellt werden. Für die Arbeiten der Generaldirektion für Stiftungen seien rund 22 Milliarden Lira vorgesehen.

Bis zu fünf Millionen Lira Zuschuss für historische Gebäude

Auch private Eigentümer historischer Häuser und anderer registrierter Gebäude in der Erdbebenregion können Unterstützung erhalten. Nach einer Änderung der gesetzlichen Regelungen übernimmt das Ministerium auf Wunsch die Erstellung der Restaurierungsprojekte.

Für die Projektplanung können Zuschüsse von bis zu 750.000 Lira gewährt werden. Nach Angaben Ersoys liegen inzwischen 1.297 Anträge vor. Ein großer Teil der Projekte sei bereits abgeschlossen oder befinde sich in der Abschlussphase.

Für die anschließende Umsetzung können Eigentümer abhängig vom Schadensumfang bis zu fünf Millionen Lira erhalten. Dabei handele es sich um direkte Zuschüsse und nicht um Kredite. Mehr als 300 Eigentümer hätten die Planungsphase bereits abgeschlossen und mit der Restaurierung begonnen.

Bibliotheksfläche in Kahramanmaraş soll sich versechsfachen

Auch die Bibliotheksinfrastruktur in Kahramanmaraş soll deutlich ausgebaut werden. Vor dem Erdbeben standen in der Stadt rund 5.200 Quadratmeter Bibliotheksfläche zur Verfügung.

Inzwischen seien rund 8.100 Quadratmeter neue Fläche fertiggestellt worden. Wenn fünf weitere große Bibliotheken aus dem laufenden Investitionsprogramm eröffnet werden, soll die Gesamtfläche auf 31.600 Quadratmeter steigen.

Damit würde sich die Bibliotheksfläche gegenüber der Zeit vor dem Erdbeben nahezu versechsfachen.

Kulturstraßen-Festival 2027 in 32 Städten

Eine zentrale Ankündigung Ersoys betrifft das Türkiye Kültür Yolu Festivali. Das Kultur- und Kunstfestival soll 2027 in 32 Städten stattfinden.

Nach Angaben des Ministers sind darunter 30 Großstädte. Nevşehir und Çanakkale sollen aufgrund ihrer besonderen kulturellen Bedeutung und ihrer Gebietspräsidentschaften ebenfalls Teil des Programms sein.

Die 32 Städte umfassen laut Ersoy rund 65 Prozent der türkischen Bevölkerung. Ein wichtiges Ziel des Festivals sei es, den Zugang der Bevölkerung zu Kultur und Kunst zu erweitern.

Als Beispiel für die Besucherzahlen nannte Ersoy Kayseri. An einem Konzerttag hätten dort rund 168.000 Menschen die Sicherheits- und Kontrollpunkte passiert.

Festival soll auch lokale Wirtschaft beleben

Ersoy zufolge sorgt das Kulturstraßen-Festival in den teilnehmenden Städten nicht nur für kulturelle Veranstaltungen, sondern auch für zusätzliche wirtschaftliche Aktivität. Restaurants, Gastronomie und lokale Geschäfte würden von der zusätzlichen Nachfrage profitieren.

Insbesondere in vom Erdbeben betroffenen Städten könne das Festival dazu beitragen, das gesellschaftliche Leben wiederzubeleben. Menschen kämen bei Konzerten, Ausstellungen und anderen Veranstaltungen zusammen.

„Lezzet Noktaları“ sollen kulinarisches Erbe bewahren

Auch die Gastronomie ist laut Ersoy inzwischen ein wichtiger Bestandteil des Festivals. Mit dem Konzept „Lezzet Noktaları“ – etwa „Genusspunkte“ – sollen Restaurants ausgezeichnet werden, die neben kulinarischer Qualität auch traditionelle Gerichte und regionale Küche bewahren.

Gemeinsam mit der Türkiye Turizm Tanıtım ve Geliştirme Ajansı werden entsprechende Betriebe ausgewählt und während sowie nach den Festivals über die Plattform GoTürkiye beworben.

Dabei gehe es nicht allein darum, den Umsatz der Restaurants zu steigern, sondern auch darum, das gastronomische Erbe der jeweiligen Region an kommende Generationen weiterzugeben.

Archäologische Arbeiten werden ausgeweitet

Ersoy verwies außerdem auf die Ergebnisse der seit mehreren Jahren verfolgten archäologischen Strategie der Türkei. Funde aus Göbeklitepe, Karahantepe und anderen Ausgrabungsstätten seien unter anderem auf die Ausweitung der archäologischen Arbeiten zurückzuführen.

Das Konzept der ganzjährigen Grabungen bedeute dabei nicht, dass das ganze Jahr über durchgehend gegraben werde. In den geeigneten Jahreszeiten würden Ausgrabungen durchgeführt, während in anderen Monaten Dokumentation, Restaurierung, Berichterstattung und wissenschaftliche Arbeiten im Mittelpunkt stünden.

Die Zahl der Grabungsleitungen sei von 157 auf 267 gestiegen. Zudem seien türkische Koordinatoren für sämtliche von ausländischen Teams geleiteten Grabungen eingesetzt worden.

Im Rahmen des Projekts „Geleceğe Miras“ seien rund 3.000 bis 4.000 Fachleute – darunter Archäologen, Kunsthistoriker und technisches Personal – sowie etwa 6.000 Arbeiter an den Ausgrabungsstätten tätig.

Taş Tepeler umfasst inzwischen 20 Fundorte

Göbeklitepe ist Teil des Projekts Taş Tepeler, das sich mit neolithischen Siedlungsplätzen in der Region um Şanlıurfa beschäftigt.

Neben den zwölf bereits öffentlich vorgestellten bedeutenden Fundorten gebe es acht weitere bislang nicht bekannt gemachte Gebiete. Insgesamt umfasse das Projekt damit 20 Fundorte.

Ersoy verwies auf die internationale Bedeutung der Region für die Erforschung des Neolithikums. Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern, darunter China, Russland, den USA und Italien, beteiligten sich an den Grabungen.

Rund 9.000 Kulturgüter zurückgeführt

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Rückführung illegal außer Landes gebrachter Kulturgüter. Nach Angaben Ersoys konnten bislang rund 9.000 Kulturgüter in die Türkei zurückgebracht werden.

Die Türkei arbeite bei den Rückführungen mit 14 Ländern auf Grundlage bilateraler Vereinbarungen zusammen. Dadurch könnten Verfahren, die früher acht oder neun Jahre gedauert hätten, teilweise innerhalb von sieben bis acht Monaten abgeschlossen werden.

Als Beispiel nannte Ersoy die Rückführung einer Statue des römischen Kaisers Marcus Aurelius. Ein in der ursprünglichen Fundregion entdecktes Fußfragment habe dabei zur wissenschaftlichen Zuordnung der Statue beigetragen.

Restaurierung der Hagia Sophia läuft weiter

Auch die Restaurierung der Hagia Sophia in Istanbul war Thema des Gesprächs. Ersoy bezeichnete die Arbeiten als eines der umfangreichsten Restaurierungsprojekte in der Geschichte der Republik.

Unter anderem werde an der Hauptkuppel gearbeitet. Radar- und Laserscans sollen dabei helfen, Risse, Hohlräume und andere strukturelle Probleme zu erkennen, die von außen nicht sichtbar sind.

Die Arbeiten sollen parallel zum laufenden Gebets- und Besuchsbetrieb durchgeführt werden. Dafür sei eine spezielle Plattform unterhalb der Kuppel errichtet worden, deren Materialien und Tragfähigkeit zuvor umfangreichen Tests unterzogen worden seien.

Auch unterirdische Bereiche werden untersucht

Unterhalb der Hagia Sophia befinden sich nach Angaben Ersoys umfangreiche unterirdische Galerien, Durchgänge und Tunnel. Einige Bereiche seien durch Einstürze, Schlamm und Feuchtigkeit beeinträchtigt.

Dort liefen Reinigungs-, Entwässerungs- und Sicherungsarbeiten. Nach Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen und der baulichen Sicherung könnte geprüft werden, welche Bereiche künftig für Besucher zugänglich gemacht werden können.

Für das äußere Erscheinungsbild der Hagia Sophia nannte Ersoy Ende 2027 als Ziel. Bis dahin soll ein großer Teil der Fassadenarbeiten abgeschlossen und ein erheblicher Teil der Gerüste entfernt sein. Arbeiten in weniger sichtbaren Bereichen des Bauwerks könnten darüber hinaus weiterlaufen.