Die türkische Tourismusbranche erlebt eine Welle von Last-Minute-Buchungen. Große Reiseveranstalter und Fluggesellschaften haben mit aggressiven Preissenkungen auf die schwächelnde Nachfrage reagiert. Trotz Nachlässen von bis zu 50 Prozent bleibt die erhoffte Vollauslastung in Urlauberhochburgen wie Antalya jedoch aus.
Die anfängliche Saisontrübung hatte mehrere Ursachen: Die Kriegsangst in der Straße von Hormus, massiv gestiegene Betriebskosten und ein von der Inflation abgekoppelter Wechselkurs hatten die Buchungen aus dem wichtigen europäischen Markt lange Zeit ausgebremst. Nun scheint die sinkende diplomatische Temperatur im Nahen Osten in Kombination mit Schnäppchenpreisen die Reiselust neu zu entfachen. „Die Unsicherheit weicht der Reiselust”, konstatierte Dennis Schrahe, CEO des deutschen Reisekonzerns Alltours. Für die Destination Türkei verzeichnete sein Unternehmen zuletzt ein Plus von über 50 Prozent bei kurzfristigen Buchungen.
Doch der Schein des Booms trügt. Während Schrahe von einer signifikanten Erholung spricht, zeichnen Hoteliers vor Ort ein weniger rosiges Bild. „Der Krieg ist vorbei, jetzt tobt der Preiskrieg“, lautet der Tenor aus dem Thinktank der Tourismusbranche. Man kämpfe mit radikalen Preisnachlässen, die zwar die Nachfrage ankurbeln, aber nicht für gefüllte Kassen sorgen. „Selbst mit 50 Prozent Rabatt werden die Hotels derzeit nicht voll“, heißt es aus dem Kreis. Die Kosten-Nutzen-Rechnung vieler Häuser sei längst aus dem Gleichgewicht geraten.
Yiğit Girgin, der General Manager des Bodrum Doria Hotels, bestätigte das Dilemma. Man habe die Preispolitik notgedrungen anpassen müssen, von einer durchschlagenden Buchungswelle könne jedoch keine Rede sein. „Die Einkaufstouristen kommen, aber die Profitabilität bleibt auf der Strecke”, so Girgin. Auch Hakan Saatçioğlu, der Vorsitzende des POYD, räumte ein, dass die Aufenthaltsdauer der Gäste merklich geschrumpft sei.
Die nackten Zahlen untermauern die Krise: Im ersten Halbjahr 2026 sank die Zahl der in Antalya ankommenden Touristen im Vergleich zum Vorjahr um 9 Prozent auf rund 5,57 Millionen. Aus den Kernmärkten Russland und Deutschland kamen jeweils sieben Prozent weniger Gäste, aus Großbritannien sogar zwölf Prozent weniger.
Als Nadelöhr erweist sich weiterhin die Anreise. ANTOP-Chef Alp Özel beklagte, dass zwar genügend Flugzeuge in Europa stünden, die hohen Ticketpreise und fehlende Charter-Kontingente aber eine Erholung abwürgen würden. „Die Unterstützung für Charter-Verbindungen muss dringend hochgefahren werden, sonst helfen auch die schönsten Hotelrabatte nichts”, warnte Özel.
Während der ausländische Gast zögert, hält der Binnenmarkt die Branche notdürftig über Wasser. Zwar stieg mit den Schulferien die Nachfrage türkischer Urlauber in Destinationen wie Bodrum, sie kann die internationalen Lücken jedoch nicht kompensieren. Girgin bringt es auf den Punkt: „Eine internationale Marke wie Bodrum kann ihre Ziele nicht allein mit dem Inlandsmarkt erreichen.”