Tausende nehmen Abschied von Historiker-Legende İlber Ortaylı in Istanbul

16.03.2026 – 13:00 Uhr

ISTANBUL – Tausende Menschen versammelten sich am 16. März in Istanbul, um dem legendären Historiker und Akademiker İlber Ortaylı die letzte Ehre zu erweisen. Ortaylı, einer der einflussreichsten Intellektuellen der Türkei, verstarb am 13. März im Alter von 78 Jahren im Koç-Universitätskrankenhaus in Istanbul an multiplem Organversagen nach Komplikationen einer Nierenerkrankung.

Die Trauerfeier begann um 11 Uhr an der Galatasaray-Universität mit einer Schweigeminute und dem türkischen Nationalhymne, wobei Ortaylıs entscheidende Rolle beim Aufbau des Rufs der Universität im Bereich Geschichte und Sozialwissenschaften gewürdigt wurde.

Zu den prominenten Teilnehmern zählten unter anderem der CHP-Vorsitzende Özgür Özel, Istanbuls Bürgermeister Mansur Yavaş, Galatasaray-Sportvereinspräsident Dursun Özbek, Journalist Fatih Altaylı sowie der Geologe und Akademiker Celal Şengör, daneben zahlreiche Wissenschaftler, Studierende und Bürgerinnen und Bürger.

Ortaylıs Tochter, Tuna Ortaylı, richtete Worte an die Trauergäste und erinnerte daran, dass ihr Vater selbst in seinen letzten Tagen noch an der Korrektur eines neuen Buches gearbeitet habe. „Das unvollendete Manuskript auf seinem Schreibtisch zu sehen, war herzzerreißend“, sagte sie.

Nach der Gedenkveranstaltung findet das Gebet für den Verstorbenen in der Fatih-Moschee statt, anschließend wird Ortaylı auf dem historischen Friedhof der Moschee beigesetzt – ein traditionsreicher Ort, an dem viele herausragende Gelehrte und Staatsmänner der osmanischen Ära ruhen. Aufgrund laufender Restaurierungsarbeiten ist die Beerdigung nur für enge Familienangehörige und autorisiertes Personal zugänglich.

Die Familie bat die Trauergäste, auf Blumen zu verzichten und stattdessen Spenden an die Türkische Bildungsstiftung (TEV) zu leisten. Kondolenzbesuche sind am 17. März im Divan Istanbul Hotel möglich.

İlber Ortaylı, 1947 in Bregenz, Österreich, geboren, kam als Kind in die Türkei und studierte später Geschichte an der Universität Ankara. Über Jahrzehnte hinweg prägte er die türkische Geschichtswissenschaft, insbesondere die Verwaltungs- und Institutionengeschichte des Osmanischen Reiches, und machte historische Themen durch Bücher, Vorlesungen und TV-Auftritte einem breiten Publikum zugänglich.