Der deutsch-türkische Ferienflieger SunExpress hat eine massive Ausweitung seines Flugplans für die Hauptreisezeit angekündigt und trotzt damit kurzfristigen geopolitischen Turbulenzen. Wie das Gemeinschaftsunternehmen von Turkish Airlines und Lufthansa mitteilte, werden im Juli und August allein nach Antalya und Izmir wöchentlich über 1.000 Flüge angeboten. Damit untermauert der Carrier seinen Anspruch als führende Fluggesellschaft an der türkischen Mittelmeerküste. Allerdings sieht er sich mit einem grundlegenden Wandel im Buchungsverhalten der Urlauber konfrontiert.
Das Unternehmen blickt auf ein durchwachsenes erstes Halbjahr 2026 zurück, in dem es 6,3 Millionen Passagiere beförderte. Für das laufende dritte Quartal peilt SunExpress rund vier Millionen weitere Fluggäste an. Trotz einer kurzfristigen Delle durch geopolitische Verwerfungen zu Jahresbeginn verzeichnet das Unternehmen inzwischen eine deutliche Erholung der Nachfrage. Vor allem der wichtigste Quellmarkt Deutschland sorgt laut der Airline für eine Stabilisierung des Türkei-Tourismus.
Last-Minute statt Frühbucher: Branche muss umdenken
SunExpress-Chef Marcus Schnabel sieht die Widerstandsfähigkeit des Reiseziels Türkei bestätigt, warnt aber vor einem strukturellen Wandel. „Die Türkei-Nachfrage bleibt bestehen, was sich ändert, sind die Reservierungsmuster“, erklärte Schnabel. Die klassische Frühbucher-Phase verliert an Bedeutung, stattdessen werden Reisen immer kurzfristiger und näher am Abreisedatum gebucht. „Diese Entwicklung zwingt uns, kurzfristige Nachfrageschwankungen gemeinsam mit unseren Partnern sehr diszipliniert zu managen“, so der CEO weiter. Das Unternehmen halte dennoch unvermindert an seiner langfristigen Wachstumsstrategie für den türkischen Markt fest.
Expansionskurs mit 18 neuen Routen
Die Airline untermauert ihren Optimismus mit einer beispiellosen Streckenexpansion. Pünktlich zur Sommersaison 2026 hat SunExpress 18 neue Verbindungen ab der Türkischen Riviera und von anatolischen Städten aus in den Plan genommen. Damit wächst das Netz in Richtung Balkan, Osteuropa und Zentralasien. Neu im Angebot sind unter anderem Direktflüge von Antalya nach Bratislava, von Izmir nach Podgorica, von Bodrum nach Tirana und Pristina sowie von Ankara nach Rotterdam. Auch kleinere türkische Flughäfen profitieren: So werden ab Edremit künftig München und Hannover angeflogen, Hatay wird mit Düsseldorf und Çukurova mit Köln verbunden.
Im Hochsommer wird Antalya mit rund 800 wöchentlichen Rotationen zum absoluten Drehkreuz des Unternehmens. Izmir folgt mit mehr als 250 wöchentlichen Flügen. „Wir sind der Hauptcarrier für Antalya und Izmir und verbinden die Türkische Riviera als größter internationaler Anbieter mit der Welt“, betonte Schnabel.
Milliarden für die türkische Wirtschaft und neue Flugzeuge
Neben dem Passagierwachstum verweist das Management auf die volkswirtschaftliche Bedeutung des Unternehmens. Laut Vize-Generaldirektor Tuncay Eminoğlu steigerte SunExpress seine Deviseneinnahmen für die Türkei im Vorjahr um elf Prozent auf knapp 2,5 Milliarden US-Dollar. Damit zählt das Unternehmen zu den drei größten türkischen Dienstleistungsexporteuren.
Für das laufende Jahr setzt SunExpress auf eine Verjüngungskur: Vier neue Boeing 737-8 wurden bereits in die Flotte integriert, für 2027 ist die Auslieferung von elf weiteren Maschinen geplant. Zusätzlich investiert die Airline am Standort Antalya in einen neuen Wartungshangar, um die regionale Luftfahrtinfrastruktur zu stärken. Langfristig will SunExpress die unangefochtene Nummer eins unter den Ferienfliegern in die Türkei bleiben. „Für uns bedeutet Verbindung nicht nur, zwei Orte zu verknüpfen, sondern auch Kulturen, Menschen und Chancen zusammenzubringen“, fasste Schnabel die Strategie zusammen.