Nach den schweren Unwettern in der Nacht zum Mittwoch wurde das Ausmaß der Verwüstung in Istanbul sichtbar. Sintflutartige Regenfälle hatten weite Teile der Metropole, insbesondere die europäische Seite, in einen Ausnahmezustand versetzt. Wie die Katastrophenschutzbehörde AFAD mitteilte, kamen bei den Überschwemmungen zwei Menschen ums Leben, darunter ein Kind.
Die Bilanz des Unwetters ist verheerend: In zahlreichen Stadtvierteln verwandelten sich Straßen innerhalb kürzester Zeit in reißende Flüsse. Fahrzeuge wurden von den Wassermassen erfasst und mitgerissen. Viele Anwohner saßen in ihren Autos fest und mussten von Einsatzkräften mit Baufahrzeugen und Traktoren aus ihrer misslichen Lage befreit werden.
Trümmerfeld am Morgen
Mit dem ersten Tageslicht wurden die schweren Schäden deutlich. Besonders betroffen ist das Viertel Ayazağa im Bezirk Sarıyer. Aufnahmen zeigen Fahrzeuge, die durch die Fluten meterweit verschoben wurden und nun als schwer beschädigt oder als Totalschaden auf den Straßen stehen. Fachleute gehen davon aus, dass viele dieser Fahrzeuge aufgrund von Schäden an Karosserie, Elektronik und Mechanik nicht mehr repariert werden können und ausgemustert werden müssen.
Die Besitzer der Fahrzeuge sehen sich nun mit erheblichen finanziellen Belastungen konfrontiert. Während Halter mit Vollkaskoversicherung auf eine Regulierung durch die Versicherung hoffen können, drohen Fahrzeughaltern ohne entsprechenden Schutz lange juristische Auseinandersetzungen, um Schadensersatz von den Behörden zu erstreiten.
Eingeschlossene Arbeiter in Industriegebiet
Besonders dramatisch war die Lage auf der Cendere-Straße, die die Bezirke Kağıthane, Sarıyer und Eyüpsultan verbindet. Im dortigen Industriegebiet wurden zahlreiche Menschen von den Wassermassen überrascht. Ein geretteter Arbeiter schilderte die Situation gegenüber Reportern: Man habe auch Kollegen aus umliegenden Fabriken geholfen und diese in Schlafräumen untergebracht. Das Wasser habe eine Höhe von zwei bis drei Metern erreicht und damit die Körpergröße der Betroffenen überschritten. Da auch der angrenzende Bach über die Ufer getreten sei, habe man das Gelände nicht mehr verlassen können.
Historisches Bauwerk überflutet
Auch Kulturgüter blieben von den Fluten nicht verschont. Im Bezirk Kağıthane trat der gleichnamige Bach über die Ufer und setzte die historische Sadabat-Moschee (auch Aziziye-Moschee genannt) sowie umliegende Gebäude unter Wasser. Der Innenhof und das Innere des Gotteshauses standen knietief unter Wasser. Die Ordnungskräfte der Stadtverwaltung sperrten den Zugang zu dem Gebiet, um die Sicherheit der Anwohner zu gewährleisten.
Die Aufräum- und Rettungsarbeiten dauern auch am heutigen Tag an. In den betroffenen Gebieten wehen weiterhin starke Winde, die lose Metallteile und Äste durch die Luft wirbeln und die Arbeit der Bergungsteams erschweren.