Ankara – Die Türkei verschärft ihre Internetgesetze deutlich: Das Parlament hat am 22. April beschlossen, Kindern unter 15 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken zu untersagen. Damit reiht sich das Land in eine wachsende Zahl von Staaten ein, die den Einfluss sozialer Medien auf Minderjährige stärker begrenzen wollen.
Künftig dürfen unter 15-Jährige keine eigenen Accounts mehr auf Plattformen erstellen. Anbieter sozialer Netzwerke werden verpflichtet, wirksame Altersverifikationssysteme einzuführen, um die Einhaltung der Regeln sicherzustellen.
Für ältere Jugendliche ab 15 Jahren sollen spezielle, altersgerechte Angebote entwickelt werden. Gleichzeitig müssen Plattformen umfassendere Kontrollmöglichkeiten für Eltern bereitstellen. Dazu zählen Funktionen zur Verwaltung von Kontoeinstellungen, zur Genehmigung oder Einschränkung von In-App-Käufen sowie zur Überwachung und Begrenzung der Bildschirmzeit.
Darüber hinaus verpflichtet das Gesetz die Unternehmen, gezielt gegen irreführende oder schädliche Werbung vorzugehen und Risiken für Minderjährige im Netz zu reduzieren.
Die Initiative geht auf die Regierungspartei von Recep Tayyip Erdoğan zurück, der das Gesetz voraussichtlich unterzeichnen wird. Es tritt sechs Monate nach Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft.
Eine weitere zentrale Bestimmung: Bei als „Notfall“ eingestuften Fällen müssen große Plattformen innerhalb von einer Stunde auf problematische Inhalte reagieren. Besonders strenge Vorgaben gelten für Dienste mit mehr als zehn Millionen täglichen Nutzern in der Türkei.
International steht die Türkei mit diesem Schritt nicht allein. Australien hat bereits ein Mindestalter von 16 Jahren für soziale Medien eingeführt. Auch Frankreich treibt gemeinsam mit Partnern wie Dänemark, Griechenland und Spanien ähnliche Regelungen voran. Auf EU-Ebene arbeitet eine Expertengruppe an möglichen einheitlichen Maßnahmen.
Die neuen Vorschriften zeigen: Der Umgang von Kindern und Jugendlichen mit sozialen Medien rückt weltweit zunehmend in den Fokus der Politik.