(DHA) Nach einer Schussserie mit acht Todesopfern und zwei Verletzten in der westtürkischen Provinz Afyonkarahisar ist der mutmaßliche Täter in der Nachbarprovinz Eskişehir gefasst worden. Der 30-jährige Arif Sefa Özdemir wurde in der Nacht zum Freitag nach Afyonkarahisar gebracht. Nach bisherigen Erkenntnissen soll ein Streit um die Bezahlung eines Mähdreschers Auslöser der ersten Tat gewesen sein. Auf seiner anschließenden Flucht soll Özdemir weitere Menschen erschossen haben, um an deren Fahrzeuge zu gelangen.
Die ersten drei Opfer waren der Mähdrescherverkäufer Ahmet Uzel (57) sowie Bekir Toprak (50) und Numan Toprak (56). Özdemir hatte die drei Männer am Donnerstagnachmittag in das Dorf Bozhüyük im Landkreis İhsaniye bestellt. Gegen 15 Uhr eröffnete er das Feuer auf die Insassen eines Autos. Alle drei starben noch am Tatort.
Nach seiner ersten Aussage hatte Özdemir im vergangenen Jahr von Uzel für 40.000 Euro einen Mähdrescher gekauft. Mit der Maschine arbeitete er in den Provinzen Manisa und İzmir. Als der Mähdrescher während eines Einsatzes auf einem Feld in İzmir ausbrannte, kam es offenbar zum Streit über die noch ausstehende Zahlung. Uzel habe zuletzt 11.000 Euro verlangt, während Özdemir seine Restschuld auf 4.000 Euro beziffert habe. Bei einem Telefonat sei der Streit eskaliert; dabei sollen sich die Männer gegenseitig beleidigt und bedroht haben.
Frau bei versuchtem Autodiebstahl schwer verletzt
Nach den Schüssen in Bozhüyük fuhr Özdemir in die Provinzhauptstadt Afyonkarahisar. Gegen 15.30 Uhr sprach er im Stadtteil Osman Gazi die dreifache Mutter Sevgi Postalcı an, die gerade in ihr Auto steigen wollte. Er bedrohte die Frau und verlangte die Herausgabe des Wagens. Als sie sich weigerte, schoss er auf sie. Postalcı wurde am Kopf getroffen und schwer verletzt. Sie war auf dem Weg, ihr Kind von der Schule abzuholen, und musste im Krankenhaus notoperiert werden.
Anschließend fuhr Özdemir in das Dorf Kıyır. Dort erschoss er nach bisherigen Erkenntnissen Seydi Ahmet Aydoğmuş (73) und dessen Frau Satı (68), die in einem Auto saßen. Rund einen Kilometer von dem Wagen entfernt wurde zudem die Leiche von İsmail Şen (61) gefunden.
Zwei Lehrerinnen erschossen
Mit einem weiteren gestohlenen Auto gelangte der Tatverdächtige in das Dorf Yukarıtandır. Dort schoss er auf die Insassen eines Wagens, in dem sich drei Lehrerinnen der örtlichen Mittelschule befanden. Die Naturwissenschaftslehrerin Ayşe Sena Demir (46) und die Religionslehrerin Hilal Mete (31) wurden tödlich getroffen. Mete starb noch am Tatort, Demir erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Die Sportlehrerin Sultan Sema G. konnte fliehen und alarmierte in der Ortschaft Gazlıgöl die Sicherheitskräfte.
Mit mehreren gestohlenen Autos auf der Flucht
Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie Özdemir mit einer Schrotflinte aus einem roten Kleintransporter steigt. Anschließend soll er einen Autofahrer angehalten und mit den Worten „Geh zur Seite, ich habe acht Menschen getötet“ bedroht haben. Danach nahm er dem Mann den Wagen ab.
Das gestohlene Auto blieb später im ländlichen Ortsteil Taşlık im Landkreis Seyitgazi in Eskişehir im Schlamm stecken. Özdemir ließ den Wagen zurück und floh zu Fuß. In Taşlık entwendete er daraufhin das Auto eines Milchhändlers. Als er damit auf eine Hauptstraße fahren wollte, geriet er an eine von Polizei und Gendarmerie eingerichtete Kontrollstelle. Die Einsatzkräfte schossen auf die Reifen und stoppten das Fahrzeug. Özdemir erwiderte das Feuer, wurde aber schließlich überwältigt und festgenommen. Bei ihm und im Auto fanden die Beamten zahlreiche Patronen.
Bei dem Schusswechsel wurde der 29-jährige Gendarmerie-Astsubay Onur Ş. leicht am linken Ohr verletzt. Özdemir wurde zunächst in Eskişehir festgehalten und nach Abschluss der ersten Ermittlungen in der Nacht nach Afyonkarahisar gebracht.
Schulunterricht ausgesetzt
An der Yukarıtandır-Mittelschule, an der die beiden getöteten Lehrerinnen unterrichteten, wurde der Unterricht am Freitag ausgesetzt. Hilal Mete war seit zwei Jahren an der Schule tätig, Ayşe Sena Demir seit sieben Jahren. Auf ihren Social-Media-Konten hatten die Lehrerinnen im Juni noch gemeinsame Fotos mit ihren Absolventen veröffentlicht.
Ein Bewohner des Dorfes Bozhüyük, Mehmet Özdemir, sagte, er kenne den Tatverdächtigen seit dessen Kindheit. Zuletzt habe er ihn vor etwa zwei Wochen gemeinsam mit seinem Vater gesehen. Arif Sefa Özdemir sei geschieden gewesen und habe als Kranführer gearbeitet. Im Sommer habe er sich häufig im Dorf aufgehalten, im Winter eher im Stadtzentrum. Von den Taten habe er erst Stunden später erfahren.
Die getöteten Ahmet Uzel, Bekir Toprak und Numan Toprak sollen in der Provinz Kırşehir beigesetzt werden. Die Beerdigungen von Seydi Ahmet Aydoğmuş, Satı Aydoğmuş, İsmail Şen und Hilal Mete sind in Afyonkarahisar geplant. Ayşe Sena Demir soll in Antalya beerdigt werden.