Während die West- und Südküste der Türkei derzeit von sengender Sommerhitze mit Temperaturen um 40 Grad heimgesucht wird, bietet sich in der östlichen Provinz Kars ein völlig gegensätzliches Bild: Auf der Tuygun-Hochebene im Landkreis Selim sind schwere Räumfahrzeuge im Dauereinsatz, um die verschneiten Wege freizulegen. Mitten im Juli türmen sich hier Schneeverwehungen von stellenweise mehr als drei Metern Höhe.
Die sommerliche Schneeräumung hat einen ernsten Hintergrund: Mit Beginn der Alm- und Weidesaison sind die örtlichen Viehzüchter dringend auf passierbare Wege angewiesen. Die İl Özel İdaresi (Provinzsonderverwaltung), die ganzjährig für die Instandhaltung ländlicher Infrastruktur zuständig ist, hat deshalb Planierraupen und Radlader in das schwer zugängliche Gebiet entsandt. Meter für Meter fräsen sich die gelben Großmaschinen durch die kompakten Schneewände und schaffen eine schmale Fahrrinne inmitten weißer Mauern. Diese erinnern eher an einen hochalpinen Winter als an einen Hochsommertag.
Dieses Phänomen ist in der hochgelegenen Region um Kars, einer der kältesten besiedelten Gegenden des Landes, zwar nicht ungewöhnlich, doch die Dimensionen sind auch für Einheimische jedes Jahr aufs Neue eindrucksvoll. Die extreme Langlebigkeit der Schneedecke auf der aufgrund ihrer Höhenlage ohnehin kühlen Hochebene sorgt dafür, dass die weißen Massen selbst bei landesweiten Hitzerekorden kaum schmelzen. Die Räumarbeiten sollen nach Behördenangaben noch mehrere Tage andauern. Nach Abschluss der Maßnahme können Viehzüchter und Anwohner die für die sommerliche Weidewirtschaft unverzichtbaren Hochweiden wieder gefahrlos erreichen.
Die gleichzeitig aus verschiedenen Landesteilen eintreffenden Wettermeldungen zeichnen ein Bild der Gegensätze: Während Badende an der Ägäis- und Mittelmeerküste im Meer Abkühlung suchen, kämpfen im Osten Anatoliens tonnenschwere Maschinen gegen über drei Meter hohe Schneebarrieren an. Aufnahmen, die zeigen, wie sich Bagger und Planierraupen durch die kompakten Schneereste bahnen, illustrieren die außergewöhnliche klimatische Spannbreite des Landes und belegen die rauen Lebensbedingungen im äußersten Osten Anatoliens.