ANKARA – Die Türkei hat mehr als 600.000 Artefakten in staatlichen Sammlungen einzigartige, unsichtbare „digitale Identitäten“ zugewiesen. Damit will das Kultur- und Tourismusministerium den Schutz des kulturellen Erbes deutlich verbessern.
Das System basiert auf einer speziellen chemischen Markierung, die nicht-invasiv ist und selbst unter Laborbedingungen nicht kopiert oder reproduziert werden kann. Jedes Objekt wird mit KI-generierten, DNA-ähnlichen Markern versehen, die mit bloßem Auge unsichtbar sind, aber eine präzise Identifizierung und Nachverfolgung ermöglichen.
Fast alle in Museen ausgestellten oder eingelagerten Objekte wurden inzwischen markiert. Dies stellt einen bedeutenden Fortschritt im Kampf gegen Fälschungen und den illegalen Handel mit Kulturgütern dar.
Kern des Systems ist die KI-gestützte Plattform TraceArt, mit der Behörden weltweit Artefakte türkischer Herkunft überwachen können. Sie scannt Auktionshäuser, Online-Marktplätze und soziale Medien, um verdächtige Objekte für Expertenprüfungen zu markieren.
Dank der hohen Verifizierungsfähigkeit der Technologie wird die Rückverfolgbarkeit verbessert und eine schnellere Intervention bei möglichen Schmuggel- oder Betrugsfällen ermöglicht.
Bereits jetzt gilt das System als „neue Ära“ im Kampf gegen Fälschungen. So half TraceArt beispielsweise, zwei 16. Jahrhundert alte İznik-Fliesen zu identifizieren, die anschließend aus dem Vereinigten Königreich zurückgeführt wurden.
Unterstützt wird die Initiative vom zentralen Museum-Inventory-System MUES, das detaillierte Informationen zu Kulturgütern in allen türkischen Museen digital erfasst. MUES sorgt für mehr Transparenz, Effizienz und Rückverfolgbarkeit bei der Inventarisierung und integriert auch private Museen und Sammler in das nationale Register.
Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy betonte: „Mit diesen Anwendungen haben wir die Sicherheit unserer Artefakte in Museen auf ein Höchstniveau gehoben und gleichzeitig große Fortschritte im Kampf gegen Fälschungen erzielt.“
Die Türkei verstärkt zudem ihre Bemühungen, illegale Antiquitätenimporte zu bekämpfen. Allein 2025 wurden 180 Kulturgüter zurückgeführt, darunter ein anatolischer Marmorkopf aus dem Denver Art Museum in den USA. Weitere Rückführungen stehen an, darunter ein antiker Marmortorso, der „Old Fisherman“ aus Berlin, sowie zahlreiche İznik-Fliesen aus dem Louvre in Frankreich.