Schnee schmilzt zu früh: Türkei bangt um ihre Wasserreserven

09.10.2026 – 14:00 Uhr

Steigende Temperaturen entwickeln sich in der Türkei zunehmend zum entscheidenden Auslöser von Schneetrockenheit. Eine neue Studie zeigt, dass frühe Schneeschmelzen die Wasserreserven für die Sommermonate gefährden – besonders in 15 wichtigen Einzugsgebieten.

Die zunehmenden Temperaturen verändern die Ursachen von Schneetrockenheit in der Türkei. Während früher vor allem fehlende Niederschläge eine Rolle spielten, wird inzwischen die anhaltende Wärme zu einem immer wichtigeren Faktor.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Wetter- und Klimadaten für den Zeitraum von 1990 bis 2024 ausgewertet hat. Untersucht wurden insgesamt 25 bedeutende Einzugsgebiete der Türkei, darunter die Regionen am Euphrat und Tigris im Südosten sowie das Ceyhan-Gebiet im Süden.

Die Untersuchung wurde von Harun Aslan, Tolga Görüm, dem Direktor des Eurasien-Instituts für Geowissenschaften der Technischen Universität Istanbul, Abdullah Akbaş und Seçkin Fidan von der Universität Ankara durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Hydrological Sciences Journal veröffentlicht.

Seit 2007 verändert sich die Art der Dürren

Nach Angaben der Forscher hat sich die Situation insbesondere seit 2007 verändert. Schneebedingte Dürren werden demnach zunehmend von hohen Temperaturen dominiert.

Die Wissenschaftler unterscheiden inzwischen zwischen trockenen, warmen und warm-trockenen Bedingungen. Als besonders problematisch gelten die warm-trockenen Perioden. Sie wurden in 15 der untersuchten Einzugsgebiete festgestellt und betreffen rund 13 Prozent der Landesfläche.

In diesen Regionen gingen die Abflussmengen im Vergleich zum Normalzustand um rund 36 Prozent zurück.

Schneeschmelze gefährdet Sommer-Wasserreserven

Besonders stark sind die Auswirkungen in Höhenlagen unterhalb von 2.000 Metern. Dort befindet sich etwa 70 Prozent der natürlichen Schneewasserreserven der Türkei.

Während warm-trockener Perioden können laut Studie rund 79 Prozent des gespeicherten Schneewasseräquivalents verloren gehen. Zwischen 500 und 2.000 Metern Höhe beträgt der Verlust demnach bis zu 76 Prozent.

Das ist für die Wasserversorgung von großer Bedeutung: Die Schneeschmelze trägt in der Türkei durchschnittlich 44,7 Prozent zum gesamten Abfluss bei.

„Es geht nicht mehr nur darum, wie viel Wasser wir haben, sondern auch darum, wann dieses Wasser verfügbar ist“, erklärte Forscher Abdullah Akbaş.

Auch Harun Aslan betonte, dass sich die Bewertung von Dürren verändern müsse. Entscheidend sei nicht allein, wie viel Wasser als Schnee gespeichert werde, sondern auch, wie lange diese Wasserspeicher erhalten bleiben.

Gefahr für Landwirtschaft und Wasserkraft

Die Türkei ist insbesondere in den trockenen Sommermonaten auf die Schneereserven der östlichen Gebirgsregionen angewiesen. Das Schmelzwasser spielt eine wichtige Rolle bei der Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen und bei der Versorgung von Wasserkraftwerken.

Die Forscher sehen deshalb einen zunehmenden Anpassungsbedarf. Angesichts des Klimawandels müsse die Wasserbewirtschaftung stärker auf einzelne Einzugsgebiete ausgerichtet werden.

Die Entwicklung der Schneereserven werde damit zu einem immer wichtigeren Faktor für die langfristige Sicherung der Wasserversorgung in der Türkei.