In der Luftfahrt zeichnet sich ein grundlegender Wandel beim Handgepäck ab. So hat die australische Billigfluggesellschaft Jetstar angekündigt, dass sie ab Februar 2027 eine Gebühr für die Nutzung der oberen Gepäckablagen erheben wird. Bislang war diese Nutzung bei nahezu allen Fluggesellschaften weltweit im Ticketpreis inbegriffen.
Kleingedrucktes entscheidet über Kostenfalle
Laut Unternehmensangaben, über die die „New York Post“ berichtet, bleibt die kostenfreie Mitnahme einer persönlichen Tasche weiterhin erlaubt – vorausgesetzt, sie passt unter den Vordersitz. Dazu zählen Rucksäcke, Handtaschen oder Laptoptaschen, die den Größenstandards entsprechen. Für Trolleys oder größere Kabinenkoffer, die im Fach über den Sitzen verstaut werden müssen, wird künftig ein Aufpreis fällig.
Der Preis für das sogenannte „Overhead Locker“-Gepäckstück staffelt sich nach der gebuchten Strecke. Die Mindestgebühr liegt bei 25 australischen Dollar, umgerechnet etwa 15 Euro. Im Gegenzug erhöht sich die erlaubte Gewichtsgrenze für diese zahlenden Kunden von bisher sieben auf zehn Kilogramm. Eine erneute Kontrolle der bezahlten Trolleys am Gate entfällt. Für die kostenfreien Taschen unter dem Sitz streicht Jetstar die bisherige 7-Kilogramm-Begrenzung sogar ersatzlos.
Pünktlichkeit als zentrales Argument
Die Airline begründet diesen radikalen Schritt mit operativer Effizienz. „Indem wir den Kunden eine Tasche unter dem Sitz und optional priorisiertes Handgepäck anbieten, können wir den Platz in den oberen Fächern effizienter nutzen, das Boarding beschleunigen und dafür sorgen, dass mehr Flüge pünktlich starten“, erklärte Jetstar-Chefin Stephanie Tully. Das chronische Gerangel um Stauraum an Bord gilt branchenintern als einer der Hauptgründe für Verspätungen.
Das Modell erinnert an die Strategie von Ultra-Billigfliegern in den USA und Europa, bei denen Basistarife oft nur noch einen kleinen persönlichen Gegenstand einschließen. Jetstar ist jedoch die erste größere Airline im asiatisch-pazifischen Raum, die diesen Schritt wagt. Branchenbeobachter gehen von spürbaren Reaktionen der Passagiere aus, da das kostenlose Verstauen von Trolleys in der Kabine weltweit als Standard empfunden wird.
Ob und wann ähnliche Regeln in Deutschland oder der Türkei eingeführt werden, ist derzeit offen. Experten halten es jedoch für wahrscheinlich, dass weitere Low-Cost-Carrier die Entwicklung genau beobachten und bei Erfolg nachziehen werden.