Nach dem verheerenden Angriff mit einer Pumpgun an einer Berufsschule in der südosttürkischen Provinz Şanlıurfa hat die Staatsgewalt personelle Konsequenzen gezogen. Wie die Behörden am Dienstag mitteilten, wurden im Zuge der laufenden Ermittlungen insgesamt vier leitende Angestellte des öffentlichen Dienstes mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Betroffen sind laut dem Gouverneursamt zwei leitende Beamte der Kreispolizeibehörde sowie zwei Führungskräfte der örtlichen Schulverwaltung von Siverek.
Die polizeilichen Ermittlungen konzentrieren sich derweil auf die Vorgeschichte des Täters. Bei dem Angreifer handelt es sich um einen ehemaligen Schüler der Ahmet-Koyuncu-Berufsschule, der zuvor in den offenen Fernunterricht gewechselt war. Recherchen ergaben, dass der junge Mann die Bluttat auf den Social-Media-Kanälen der Bildungseinrichtung Tage im Voraus unverhohlen angekündigt hatte. In den nun öffentlich gewordenen Nachrichten schrieb der spätere Schütze unter anderem: „Macht euch bereit, in ein paar Tagen wird es einen Angriff geben“ und „Ich werde euch alle vernichten“. In einer weiteren, direkt an die Schulleitung gerichteten Drohung hieß es demnach: „Am Tag des Angriffs 50 Leute. Du gehst als Erster, Direktor.“
16 Verletzte – Drei Personen schweben in Lebensgefahr
Bei dem Amoklauf am gestrigen Vormittag schoss der Täter in den Korridoren der Schule wahllos auf Schüler und Lehrkräfte. Dabei wurden nach offiziellen Angaben der Provinzverwaltung von Şanlıurfa insgesamt 16 Personen durch Schrotkugeln verletzt. Sieben der Verletzten konnten das Krankenhaus nach ambulanter Behandlung bereits wieder verlassen. Neun weitere Opfer befinden sich weiterhin in stationärer Behandlung, drei von ihnen schweben dem Vernehmen nach in akuter Lebensgefahr.
Ermittlungen gegen einen weiteren Verdächtigen
Neben den disziplinarischen Maßnahmen gegen die vier Verwaltungsbeamten teilte das Innenministerium mit, dass im Zuge der Aufarbeitung des Vorfalls eine weitere Person in Gewahrsam genommen wurde. Zu den genauen Vorwürfen gegen den Festgenommenen sowie zu dessen möglicher Verbindung zum Täter machten die Behörden unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst keine Angaben.
Inzwischen veröffentlichte Bilder der schulinternen Überwachungskameras dokumentieren den Ablauf der Tat in erschreckender Deutlichkeit. Die Aufnahmen zeigen, wie der Angreifer das Schulgebäude betritt, im Gang seine Waffe lädt und anschließend die Schüsse abfeuert. Zudem ist zu sehen, wie panische Schüler Türen verbarrikadieren, um sich vor dem Kugelhagel in Sicherheit zu bringen. Im Anschluss an die Tat nahm sich der Täter mit seiner eigenen Schusswaffe das Leben.
Vier Tage Unterrichtsausfall – Ministerien schalten Inspekteure ein
Sowohl das türkische Innenministerium als auch das Ministerium für Nationale Bildung (MEB) haben weitreichende Untersuchungen eingeleitet. Das Bildungsministerium entsandte umgehend einen Hauptinspekteur und einen weiteren Inspektor nach Siverek, um mögliche Versäumnisse im Sicherheitskonzept der Schule zu prüfen. Aufgrund der seelischen Belastung der Schulgemeinschaft wurde der Präsenzunterricht an der betroffenen Einrichtung für vier Tage ausgesetzt. Zur Betreuung der Schüler und Lehrer wurden psychosoziale Unterstützungsteams vor Ort zusammengezogen.