Die Türkei steht vor einer außergewöhnlich langen Saharastaub-Welle: Nach Einschätzung von Klimaexperten wird dichter Wüstenstaub aus Nordafrika das Land rund zehn Tage lang beeinträchtigen und die Luftqualität in vielen Regionen deutlich verschlechtern.
Wie Professor Dr. Hüseyin Toros von der Technischen Universität Istanbul erklärt, zieht die Staubwolke seit dem 9. Mai über das Mittelmeer Richtung Türkei. Besonders betroffen dürfte zunächst Istanbul sein, bevor sich der feine Wüstenstaub über weite Teile des Landes ausbreitet.
Jedes Jahr gelangen rund 180 Millionen Tonnen Mineralstaub aus der Sahara in die Atmosphäre. Durch starke Luftströmungen werden die Partikel über Europa, das Mittelmeer und sogar bis nach Amerika transportiert. Vor allem im Frühjahr treten solche Wetterlagen häufig auf, da heiße und trockene Luftmassen den Staub über lange Zeit in höheren Luftschichten halten können.
Experten warnen vor gesundheitlichen Folgen. Menschen mit Asthma, Bronchitis oder anderen Atemwegserkrankungen könnten besonders unter der schlechten Luft leiden. Auch ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke sollten längere Aufenthalte im Freien möglichst vermeiden.
„Feine Staubpartikel können die Lunge erheblich belasten“, betont Toros. Bei hoher Belastung empfiehlt er, körperliche Aktivitäten im Freien einzuschränken und bei Bedarf Schutzmasken zu tragen.
Neben den gesundheitlichen Risiken bringt der Saharastaub auch sichtbare Auswirkungen mit sich: Bei Regen kann sogenannter „Schlammregen“ entstehen, der Autos, Fenster und Straßen mit einer feinen Staubschicht überzieht.
Trotz aller Nachteile erfüllt der Saharastaub jedoch auch eine wichtige ökologische Funktion. Die Partikel enthalten Mineralstoffe wie Eisen und Phosphor, die Ozeane und tropische Wälder mit Nährstoffen versorgen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sogar der Amazonas-Regenwald teilweise von diesen mineralreichen Staubwolken profitiert.
Die Staubbelastung soll laut Experten ab dem 18. Mai langsam nachlassen. Bis dahin wird empfohlen, die aktuellen Luftqualitätswerte aufmerksam zu verfolgen.