Die britische Wettbewerbsbehörde hat eine Untersuchung gegen die Billigfluggesellschaft Ryanair eingeleitet. Im Fokus steht die Frage, ob zusätzliche Gebühren für gemeinsame Sitzplätze von Eltern und Kindern gegen Verbraucherrechte verstoßen.
Nach Angaben der britischen Competition and Markets Authority (CMA) verpflichtet Ryanair Familien mit Kindern zwischen zwei und elf Jahren dazu, mindestens einen Sitzplatz neben dem Kind kostenpflichtig zu reservieren. Während die Sitzplatzwahl für andere Passagiere freiwillig bleibt, könnten Eltern somit faktisch gezwungen sein, extra zu zahlen.
Die zusätzlichen Gebühren sollen im Schnitt bei rund acht Pfund pro Strecke liegen – umgerechnet etwa 9,30 Euro. Die CMA prüft nun, ob diese Praxis als „unfaire Vertragsklausel“ einzustufen ist.
Besonders brisant: In Italien wurde ein ähnliches Modell bereits verboten. Dennoch gilt die Regelung laut Behörde weiterhin auf den meisten Ryanair-Flügen ab dem Vereinigten Königreich.
Die Aufsichtsbehörde erklärte außerdem, Ryanair sei derzeit die einzige große Fluggesellschaft mit einem derartigen System. Zwar könnten Eltern in manchen Fällen auch ohne Zusatzkosten neben ihren Kindern sitzen, eine Garantie gebe es jedoch nicht.
Ryanair wies die Vorwürfe entschieden zurück und bezeichnete die Untersuchung als „haltlos“. Das Unternehmen betonte, man halte sich vollständig an geltende Gesetze. Zudem würden pro Buchung bis zu vier Kindersitze kostenlos vergeben, während lediglich ein Erwachsenensitz bezahlt werden müsse.
Die britische Behörde stellte klar, dass bislang noch keine endgültige Entscheidung oder ein Regelverstoß festgestellt worden sei.