Rückreisewelle der Türkei-Urlauber: Abschiedsschmerz an der Grenze bei Kapıkule

Bild: DHA
15.08.2026 – 8:00 Uhr

(DHA) Edirne – Für viele in Europa lebende Türken endet derzeit der Sommerurlaub in der Heimat. Auf dem Rückweg in ihre Wohnländer sorgen die sogenannten „Gurbetçi“ am Grenzübergang Kapıkule bei Edirne für erhöhtes Verkehrsaufkommen. Besonders der Abschied von der Türkei fällt vielen Reisenden schwer.

Seit Beginn der Rückkehrbewegung am 22. Juni haben rund 2,508 Millionen Urlauber die Grenzübergänge der Provinz Edirne zur Ein- oder Ausreise genutzt. Allein über den Grenzübergang Kapıkule reisten im selben Zeitraum rund 1,331 Millionen Menschen. Durch zusätzliche Maßnahmen konnten die durchschnittlichen Wartezeiten auf dem Zollgelände nach Angaben der Behörden auf etwa 29 Minuten reduziert werden.

„Diese Gefühle kann man nicht beschreiben“

Mustafa Saçar, der aus Adana kam und nun nach Frankreich zurückkehrt, verbrachte seinen Urlaub mit seiner Familie. „Wir haben die Sehnsucht nach der Familie gestillt. Jetzt fahren wir wieder ins Ausland, um dort zu arbeiten“, sagte er. In Frankreich arbeitet Saçar in einer Fabrik.

Der Abschied von der Türkei sei für ihn mit besonderen Gefühlen verbunden. „Wenn man beim Hinausfahren die türkische Flagge sieht, ist da eine Traurigkeit und eine Wehmut. Wenn man dagegen bei der Ankunft die Flagge sieht, empfindet man einen besonderen Stolz. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben“, sagte er.

„Wir haben unsere Sehnsucht gestillt“

Auch Zekeriya Alamış, der seinen Urlaub in seiner Heimat Kars verbrachte und nun nach Frankreich zurückfährt, blickt mit gemischten Gefühlen auf die Rückreise. Rund 35 bis 40 Tage habe er in der Türkei verbracht.

„Unser Urlaub war wunderbar. Wir haben unsere Sehnsucht gestillt. Jetzt lassen wir unsere Heimat hinter uns. Die Gefühle sind sehr traurig“, sagte Alamış. Er komme zwar nicht jedes Jahr, aber spätestens alle zwei Jahre in die Türkei. „Wenn wir kommen, sind wir glücklich, und wenn wir gehen, sind wir traurig. Das lässt sich nicht in Worte fassen. Aber was soll man machen?“

„Die Sehnsucht nach der Heimat hört nie auf“

Sezer Kılıç, der aus Ordu stammt und nach Deutschland zurückkehrt, beschreibt ebenfalls eine tiefe Verbundenheit mit der Türkei. Gemeinsam mit seiner aus Kayseri stammenden Ehefrau habe er verschiedene Regionen des Landes besucht. Insgesamt dauerte der Urlaub rund vier Wochen.

„Wir waren in Ordu, in Kayseri und an verschiedenen Urlaubsorten. Es ist ein ganz besonderes Gefühl. Die Sehnsucht nach der Heimat hört nie auf, auch die Vermissung nicht. Wir konnten uns an keinem Ort richtig sattsehen und haben nirgends richtig hineingepasst. Jetzt müssen wir zurück“, sagte Kılıç.

Noch eine lange Fahrt vor sich

Auch Muhammet Özdemir war mit seiner Familie rund dreieinhalb Wochen in der Türkei und machte sich anschließend auf den Weg nach Belgien. Die Familie besuchte unter anderem Bursa, Istanbul, Bolu sowie die Heimatorte Kırşehir und Aksaray.

„Wir haben etwa 18 Tage in Aksaray verbracht. Jetzt liegt noch eine lange Strecke vor uns. Eigentlich haben wir gerade erst angefangen, deshalb ist die Reise für uns ziemlich anstrengend“, sagte Özdemir.

Der Abschied sei zwar traurig, gleichzeitig freue er sich aber auch darauf, wieder in Belgien anzukommen. „Wir sind natürlich etwas traurig, aber gleichzeitig auch ein bisschen glücklich, dass wir zurückkehren“, sagte er.

Für viele der Reisenden ist die Rückfahrt damit mehr als nur eine lange Autofahrt: Sie bedeutet den Abschied von Familie, Freunden und der Heimat – bis zum nächsten Sommer.