Istanbul – Der renommierte türkische Historiker und Autor İlber Ortaylı ist am 13. März im Alter von 78 Jahren gestorben. Er befand sich wegen Komplikationen im Zusammenhang mit einer Nierenerkrankung in einem Krankenhaus in Istanbul in Behandlung.
Nach Angaben seiner Familie befand sich Ortaylı zuvor fünf Tage lang auf der Intensivstation und wurde dort von einem spezialisierten medizinischen Team überwacht. Während dieser Zeit wurde sein Zustand zunächst als stabil beschrieben.
Berichten zufolge war der Historiker bereits im Februar aufgrund einer Nierenerkrankung im Koç-Universitätskrankenhaus operiert worden. Während seiner anschließenden Genesungsphase erlitt er in der Nacht des 8. März plötzlich eine medizinische Komplikation und wurde daraufhin auf die Intensivstation eingeliefert, wo er später auch intubiert wurde.
Ortaylı galt als einer der einflussreichsten Historiker der Türkei. Große Bekanntheit erlangte er nicht nur durch seine wissenschaftliche Arbeit, sondern auch durch populärwissenschaftliche Geschichtsbücher, mit denen er historische Themen einem breiten Publikum näherbrachte.
Er absolvierte sein Studium im Fach Geschichte an der Fakultät für Sprache, Geschichte und Geografie der Universität Ankara. Anschließend setzte er seine Studien in slawischen und osteuropäischen Sprachen an der Universität Wien fort. 1974 promovierte er an der Universität Ankara und wurde 1979 zum außerordentlichen Professor ernannt.
Nach seinem Rücktritt von einer akademischen Position im Jahr 1982 lehrte Ortaylı an verschiedenen Universitäten weltweit. 1989 kehrte er in die Türkei zurück und wurde zum Professor berufen.
Im Laufe seiner Karriere hielt er Vorlesungen an mehreren bedeutenden Hochschulen, darunter an der Galatasaray-Universität und der Bilkent-Universität.
Neben seiner akademischen Tätigkeit spielte Ortaylı auch eine wichtige Rolle im kulturellen Leben des Landes. Im Jahr 2005 wurde er zum Direktor des Topkapı-Palastmuseums ernannt, einer der bedeutendsten historischen Stätten der Türkei. Dieses Amt übte er sieben Jahre lang aus, bevor er 2012 in den Ruhestand ging.
2018 war Ortaylı außerdem als Berater für das türkische Ministerium für Kultur und Tourismus tätig.
Durch häufige Auftritte in Fernsehprogrammen und bei öffentlichen Veranstaltungen wurde Ortaylı in der Türkei auch für seinen scharfen Humor und sein enormes historisches Wissen bekannt.