Plastikmüll vor Antalya: Experte warnt vor dem Baden im Meer

20.10.2026 – 12:00 Uhr

(DHA) Plastikverschmutzung vor der türkischen Mittelmeerküste sorgt erneut für Besorgnis. Aufnahmen aus der Luft und unter Wasser zeigen zahlreiche Kunststoffpartikel und größere Abfälle vor dem öffentlichen Strand von Kaş in der Provinz Antalya. Menschen schwimmen dort offenbar zwischen den Verschmutzungen. Ein Umweltexperte warnt vor möglichen Gesundheitsrisiken.

Mustafa Öztürk, Professor und ehemaliger Staatssekretär im türkischen Umweltministerium, führt einen Teil der Verschmutzung auf starke Regenfälle zurück. Diese könnten Plastikabfälle von offenen Lagerplätzen und illegalen Deponien ins Meer spülen. Nach seinen Angaben gelangen solche Abfälle und Mikroplastikpartikel bis in den Hafen von Kaş.

Öztürk veröffentlichte die Aufnahmen in den sozialen Medien und riet davon ab, in derart verschmutztem Wasser zu schwimmen. Kunststoffpartikel könnten beim Baden über den Mund aufgenommen werden. Zudem bestehe die Möglichkeit, dass sie Krankheitserreger transportieren. Eine Belastung mit Mikroplastik könne daher gesundheitliche Risiken mit sich bringen.

Experte warnt vor Folgen für den Tourismus

Öztürk fordert strengere Kontrollen von Kunststoff-Recyclinganlagen. Abfälle dürften nicht ungeschützt im Freien gelagert werden; auch die unkontrollierte Freisetzung von Mikroplastik und Abwasser müsse verhindert werden.

Solange Recyclinganlagen nicht nach den Standards der Europäischen Union betrieben würden, werde die Verschmutzung des Mittelmeers anhalten, warnte er. Das könne auch erhebliche Folgen für den Tourismus in der Region haben. Eine Reinigung der Strände allein reiche nicht aus – entscheidend sei, die Verschmutzungsquellen zu identifizieren und den Eintrag ins Meer zu verhindern.

Millionen Tonnen Plastikabfall pro Jahr

Nach Angaben Öztürks fallen in der Türkei jährlich rund vier Millionen Tonnen Plastikabfälle an. Zusätzlich würden Kunststoffabfälle aus europäischen Ländern importiert. Die durchschnittliche monatliche Importmenge aus Europa habe 2025 bei 42.790 Tonnen gelegen. Im Juni und Juli 2026 sei der Monatsdurchschnitt auf 1.145 Tonnen gesunken.

Öztürk warnte, dass die Türkei ohne wirksame Gegenmaßnahmen zu einem zentralen Abladeplatz für Europas Plastikabfälle werden könnte.

Bereits zuvor Warnungen für Konyaaltı

Schon im August hatte der Experte auf Mikroplastikverschmutzung am Konyaaltı-Strand in Antalya hingewiesen und Untersuchungen der möglichen Verschmutzungsquellen an den Küsten von Konyaaltı und Çıralı gefordert.

Plastikabfälle zerfallen mit der Zeit in immer kleinere Partikel. Diese können von Meerestieren mit Nahrung verwechselt und aufgenommen werden, sich im Verdauungssystem ansammeln und die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen. Zu den möglichen Eintragsquellen zählen laut Öztürk städtische und industrielle Abwässer, Abfälle aus Recyclinganlagen sowie zurückgelassene Fischereigeräte.