Nur acht Blindenführhunde in der Türkei im Einsatz – Hunderte warten auf einen Platz

17.05.2026 – 17:00 Uhr

In der Türkei können blinde und sehbehinderte Menschen kaum auf die Unterstützung von Blindenführhunden hoffen. Laut dem Verein der Blindenführhunde (Rehber Köpekler Derneği) gibt es im ganzen Land lediglich acht aktive Führhunde. Sieben weitere Tiere sind als Therapiehunde im Einsatz. Auf der Warteliste für einen der speziell ausgebildeten Vierbeiner stehen derzeit rund 300 Personen, doch die tatsächliche Nachfrage liegt nach Einschätzung des Vereins noch deutlich höher.

Ein Führhund durchläuft eine mehrjährige Ausbildung, bevor er an seinen Halter übergeben wird. Zunächst lebt das Tier für zwei Jahre bei ehrenamtlichen Gastfamilien, die die grundlegende Sozialisierung und Erziehung übernehmen. Die Kosten für Futter und tierärztliche Versorgung trägt in dieser Zeit der Verein. Anschließend absolvieren die Hunde ein einmonatiges Intensivtraining, um auf ihre spätere Aufgabe vorbereitet zu werden.

„Das ist kein Luxus. Ein Blindenführhund ermöglicht es blinden Menschen, sich sicher zu bewegen und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, sagte die Vorsitzende des Vereins, Nurdeniz Tunçer. Gleichzeitig wies sie auf die großen Hürden hin: „Wir brauchen dringend mehr ehrenamtliche Familien und Hundespenden.“ Für die Ausbildung bevorzugt die Organisation Golden Retriever und Labrador Retriever, da sie sich aufgrund ihrer Lernfähigkeit und ihres ausgeglichenen Wesens besonders für die klimatischen und geografischen Bedingungen eignen.

Die blinde Beamtin Nazan Onat lebt seit fast zwei Jahren mit ihrem Führhund Shadow zusammen. Den Unterschied zu ihrem vorherigen Blindenstock beschreibt sie als fundamental: „Man fühlt sich viel sicherer. Es ist ein beglückendes und beruhigendes Gefühl, mit einem Lebewesen unterwegs zu sein, das Entscheidungen für mich trifft – welcher Weg der sicherste ist und wo wir am besten entlanggehen. Ich muss nur vertrauen.“ Ihr Hund begleitet sie rund um die Uhr, auch an ihren Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst.

Die Ausbildung endet mit einer Prüfung im Alltag. Erst wenn Halter und Hund eine Woche lang selbstständig und ohne Hilfe des Trainers zurechtkommen, gilt die Ausbildung als erfolgreich abgeschlossen. Danach übernimmt der Verein lebenslang sämtliche Kosten für Futter, Medizin und Pflege. Weltweit wird die Zahl der aktiven Blindenführhunde auf 35.000 bis 40.000 geschätzt. Tunçers Fernziel für die Türkei ist eine eigene Führhundschule mit mehr Ausbildern und einer verlässlichen Finanzierung.