Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst hat bei seinem Besuch in Istanbul für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Türkei und dem deutschen Bundesland geworben. Beim Türkei-Nordrhein-Westfalen-Wirtschaftsforum am 30. September betonte Wüst die langjährigen Verbindungen und kündigte unter anderem Erleichterungen für türkische Geschäftsleute bei der Visavergabe an.
„Seit Jahrzehnten bewegen sich Menschen, Ideen und Investitionen in beide Richtungen“, sagte Wüst bei der gemeinsam von der türkischen Außenwirtschaftsorganisation DEİK und NRW.Global Business veranstalteten Konferenz. Angesichts zunehmender Handelsbarrieren und unter Druck stehender Lieferketten seien verlässliche Verbindungen heute wichtiger denn je.
Schnellere Visa für Geschäftsleute
Wüst zufolge hat die Landesregierung ein beschleunigtes Verfahren für Visa türkischer Geschäftsleute vereinbart. Damit sollen lange Bearbeitungszeiten verkürzt werden, die persönliche Treffen und den direkten Austausch zwischen Unternehmen erschweren.
Auch eine Modernisierung der Zollunion zwischen der Türkei und der EU gehört nach Wüsts Worten zu den wichtigen Themen. Er sprach sich dafür aus, das seit 1995 bestehende Abkommen an die heutigen globalen Lieferketten anzupassen und die europäische Industriepolitik weiterzuentwickeln.
Die türkische Wirtschaft bezeichnete Wüst als wichtigen Bestandteil der europäischen Wertschöpfungsketten. Die Türkei sei zudem ein bedeutender Standort für ausländische Direktinvestitionen und inzwischen der drittgrößte Handelspartner Nordrhein-Westfalens.
Rund 1.300 Unternehmen mit türkischen Eigentümern
Nach Angaben Wüsts haben mehr als 1.300 Unternehmen mit türkischen Eigentümern ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen. Damit befindet sich mehr als jedes dritte türkisch geführte Unternehmen in Deutschland in dem Bundesland.
Auch die Energieversorgung war Thema des Wirtschaftsforums. Wüst verwies auf das große Potenzial der Türkei bei der Windenergie an Land sowie auf Investitionen in Stromerzeugung und Netzinfrastruktur. Für die energieintensive Industrie Nordrhein-Westfalens seien wettbewerbsfähige Energiepreise und eine sichere Versorgung von zentraler Bedeutung.
Beim Wirtschaftsforum wurden zudem mehrere Absichtserklärungen unterzeichnet. Sie sollen den Weg für weitere Kooperationen zwischen Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen und der Türkei ebnen.
Wüst hatte seine dreitägige Türkei-Reise am 28. September begonnen. In Ankara traf er unter anderem Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Außenminister Hakan Fidan, bevor er nach Istanbul weiterreiste. Der Besuch stand auch im Zeichen des 65. Jahrestags des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens von 1961.