Europa zementiert seine Vormachtstellung in der globalen Mobilität: Neun der zehn mächtigsten Pässe der Welt stammen 2026 aus europäischen Ländern. Das geht aus dem fünften jährlichen Global Passport Index des Beratungsunternehmens Global Citizen Solutions hervor. Schweden sichert sich dabei erstmals die Spitzenposition, während die Vereinigten Staaten einen historischen Absturz verzeichnen und die Türkei im Mittelfeld rangiert.
Der Index bewertet die Stärke eines Reisepasses jedoch nicht allein anhand der Anzahl der Länder, die visumfrei erreicht werden können. Stattdessen fließen drei gewichtete Kategorien in das Ranking ein: die klassische Reisefreiheit (Mobilität), die Attraktivität für Investitionen sowie die Lebensqualität im jeweiligen Land. Dabei werden Faktoren wie das Steuerumfeld, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, Innovation, Gesundheitsversorgung, Sicherheit und soziale Infrastruktur bewertet.
Schweden siegt durch Balance
So führt Schweden die Gesamtwertung 2026 an, ohne in einer der drei Einzelkategorien auf Platz eins zu landen. Das skandinavische Land erreicht Rang elf in der Kategorie „Mobilität”, Platz neun in der Kategorie „Investitionsattraktivität” und einen hervorragenden zweiten Platz in der Kategorie „Lebensqualität”. „Europas Überlegenheit an der Spitze des Index beruht nicht auf einem einzelnen Faktor, sondern auf einer ausgewogenen Performance“, erklärte Patricia Casaburi, CEO von Global Citizen Solutions. Pässe aus Schweden, der Schweiz und Finnland kombinieren globale Reichweite mit einer hohen Lebensqualität.
Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Schweiz und Finnland. Die Schweiz punktet vor allem mit ihrer enormen Anziehungskraft für Kapital (Rang 2), während Finnland in der Kategorie Lebensqualität den ersten Platz belegt. Deutschland kann seinen vierten Platz aus dem Vorjahr verteidigen und profitiert dabei maßgeblich von seiner hohen Lebensqualität (Rang 3). Den fünften Platz teilen sich die Niederlande und Dänemark. Die Top Ten werden komplettiert durch Irland (7.), das Vereinigte Königreich (8.), Norwegen (9.) und Singapur (10.). Singapur ist das einzige nicht-europäische Land, das den Sprung in die Elitegruppe schafft.
Brexit als „stille Bremse“ für das Vereinigte Königreich
Trotz des achten Platzes verliert das Vereinigte Königreich im Bereich der tatsächlichen Bewegungsfreiheit zunehmend an Boden. Zwar misst der Index nur die visumfreie Einreise, doch Casaburi verweist auf einen „stillen Brexit-Effekt“. Die Mobilitätswertung des Königreichs liegt lediglich auf Rang 30: Britische Staatsbürger haben seit dem EU-Austritt das automatische Recht verloren, in 27 europäischen Ländern zu leben, zu arbeiten und sich niederzulassen – ein Privileg, das in der reinen Zählung visumfreier Reisetage nicht vollständig abgebildet wird.
Dramatischer Fall: Die USA rutschen ab
Besonders drastisch ist der Bedeutungsverlust des US-amerikanischen Passes. Noch im Jahr 2021 standen die USA mit einem Rekordwert an der Spitze des Index. Fünf Jahre später findet sich das Land auf Platz zwölf wieder – ein Absturz, der innerhalb der G7-Staaten beispiellos ist. Als Hauptgrund für diesen Rückgang nennt Global Citizen Solutions die Wiedereinführung gegenseitiger Visumspflichten. So verlangt Brasilien seit April des vergangenen Jahres wieder ein Visum von US-Bürgern. Solche wechselseitigen Beschränkungen haben den Mobilitätsvorteil des amerikanischen Passes spürbar eingeschränkt.
Türkei im Mittelfeld
Im Jahr 2026 positioniert sich die Türkei auf Rang 46, sodass türkische Staatsbürger visumfreien Zugang zu 113 Ländern genießen. Dieses Abschneiden reflektiert eine stabile, wenn auch von der europäischen Spitze deutlich entfernte Position im globalen Vergleich.