Neue Erdbebengefahr in der Türkei? Satellitenaufnahmen decken bisher unbekannte Hochrisiko-Verwerfung auf

26.02.2026 – 17:00 Uhr

Zonguldak – Forscher haben in Türkei eine bislang unbekannte tektonische Spannungszone im Osten des Landes identifiziert. Die neu entdeckte 230 Kilometer lange Verwerfung verläuft süd-nördlich östlich des Van-Sees und erstreckt sich über die Bezirke Muradiye und Doğubayazıt.

Professor Şenol Hakan Kutoğlu von der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Zonguldak Bülent Ecevit Üniversitesi erläuterte, dass das Gebiet tektonische Spannungen aufweist, die vergleichbar sind mit denen entlang der Nordanatolischen Verwerfung – einer der aktivsten und gefährlichsten Verwerfungen des Landes.

Die Ergebnisse stammen aus einer gemeinsamen Studie mit der University of Leeds. Zwischen 2020 und 2024 gesammelte Satellitenradardaten wurden ausgewertet, um Millimeter-bewegungen der Erdkruste zu messen. Daraus entstanden Deformations- und Geschwindigkeitkarten, die zeigen, wie sich Spannungen im Laufe der Zeit ansammeln.

Auf den farbcodierten Stresskarten markieren rote Zonen die Bereiche mit der höchsten jährlichen Spannungsakkumulation. Diese Segmente speichern Energie besonders schnell und gelten daher als hochgefährdet für starke Erdbeben.

Kutoğlu betonte, dass die 230 Kilometer lange Struktur mehrere Verwerfungssysteme umfasst. Zwar erschütterte 1976 ein Erdbeben der Stärke 7,3 die Region, doch dieses Ereignis betraf nur einen kleinen Teil des nun kartierten Hochrisikogebiets.

„Diese Region sollte in der Erdbebenrisikoplanung genau untersucht werden“, mahnte Kutoğlu und forderte die Behörden auf, die neuen Erkenntnisse in Katastrophenschutzstrategien einzubeziehen.

Er warnte davor, sich ausschließlich auf bekannte Erdbebenzonen zu konzentrieren: „Wenn wir nur auf eine Region achten, übersehen wir potenzielle Gefahren anderswo. Kontinuierliche geodätische Überwachung ist entscheidend, um zukünftige Risiken besser einschätzen zu können.“