NASA: Türkische Medizinerin erforscht Reproduktionsmedizin für künftige Weltraummissionen

28.06.2026 – 8:00 Uhr

Kann die Menschheit im All überleben – und sich dort sogar fortpflanzen? Während Raumfahrtagenturen Missionen zum Mond und zum Mars planen, bereitet eine türkische Medizinerin die Wissenschaft auf eine der letzten ungelösten Fragen vor: die Geburt eines Kindes im Weltraum.

Dr. Begüm Mathyk, Gynäkologin an der University of South Florida und Vorsitzende der NASA-Arbeitsgruppe für weibliche Reproduktionsanalyse, erforscht, wie die Gesundheit von Astronautinnen auf Langzeitmissionen geschützt werden kann. Ihr Fokus liegt dabei auf einem nahezu unerforschten Bereich: der menschlichen Fortpflanzung fernab der Erde.

Auf die Frage, ob künftige Generationen im All geborene Babys einschließen könnten, gibt es laut Mathyk bislang keine gesicherte Antwort. „Wir haben extrem begrenztes Wissen über Schwangerschaft, fetale Entwicklung und Geburt im Weltraum“, wird sie zitiert. Zwar hätten sich bestimmte Fischarten erfolgreich im All vermehrt, doch sei die menschliche Biologie ungleich komplexer. Langfristig erscheine die Geburt im All zwar theoretisch möglich, jedoch seien zahlreiche wissenschaftliche Fragen weiterhin ungeklärt.

Mathyk erzielte bereits einen international beachteten Durchbruch, als sie als erste Ärztin weltweit eine gynäkologische Ultraschalluntersuchung in einer simulierten Schwerelosigkeitsumgebung durchführte. Die im Fachblatt des American College of Obstetricians and Gynecologists veröffentlichte Studie gilt als wichtiger Schritt, um künftig Diagnosen und Eingriffe auf langen Raumflügen zu ermöglichen.

Darüber hinaus war Mathyk an Untersuchungen zur Inspiration4-Mission beteiligt, dem ersten rein zivilen Orbitalflug. Die Forscher:innen zeichneten nach, wie sich die Raumfahrt unterschiedlich auf Frauen und Männer auswirkt, und kartierten Veränderungen bei Hormonspiegeln und Immunreaktionen. Derzeit bereitet sie eine Studie zur Gesundheit einer rein weiblichen Astronauten-Crew vor, um die Anpassung des weiblichen Körpers an extreme Weltraumbedingungen detailliert zu analysieren.

Angesichts der zunehmenden Pläne für dauerhafte Mondbasen und Mars-Missionen gewinnen Mathdys Arbeiten an strategischer Bedeutung. Noch in diesem Jahr wird sie als Rednerin auf großen Raumfahrtkonferenzen erwartet, die erstmals in der Türkei stattfinden. Ihre Forschung wird von der NASA, der ESA und den US-National Institutes of Health unterstützt.