Ein Waldbrand hat in der türkischen Provinz Çanakkale ein archäologisches Erbe freigelegt und es damit unmittelbar zur Beute illegaler Schatzsucher gemacht. Nachdem die Flammen im vergangenen Jahr einen Tumulus (Grabhügel) nahe des Dorfes Çınarlı von Vegetation befreit hatten, drangen Unbekannte in den Hügel ein und legten einen regelrechten Tunnel an.
Das Feuer war am 11. August des vergangenen Jahres ausgebrochen und konnte erst am Folgetag durch die Einsatzkräfte unter Kontrolle gebracht werden. Besonders betroffen war der Ortsteil Güzelyalı, wo zahlreiche Häuser beschädigt wurden. Insgesamt zerstörte der Brand rund 570 Hektar Waldfläche. In der verbrannten Landschaft trat daraufhin die zuvor überwucherte Grabstätte deutlich sichtbar zutage.
Die frei gewordene Sicht machten sich offenbar umgehend Kriminelle zunutze. Vor Ort entdeckten die Behörden einen gezielt in den Erdhügel getriebenen Schürfgraben. Die Spuren deuten auf professionelle Grabungsversuche hin, mit denen die Täter in das Innere der mutmaßlich antiken Anlage vorzudringen versuchten.
Tumuli gelten in der Region als charakteristische Grabstätten aus phrygischer, lydischer oder hellenistischer Zeit. Ob und welche Artefakte bei dem illegalen Eingriff entwendet wurden, ist derzeit nicht bekannt. Die zuständigen Stellen haben Ermittlungen aufgenommen.
Der Vorfall wirft erneut ein Schlaglicht auf die Plünderung archäologischer Stätten, mit der die Türkei immer wieder zu kämpfen hat – insbesondere nach Waldbränden, Erosion oder landwirtschaftlichen Eingriffen. Archäologen warnen, dass durch solche Raubgrabungen nicht nur wertvolle Kulturgüter verschwinden, sondern auch der wissenschaftliche Kontext unwiederbringlich zerstört wird.