Vor dem 30. Schwurgericht in Istanbul hat am Dienstag der Prozess um den Tod einer vierköpfigen Familie aus Deutschland begonnen. Die Eltern sowie ihre beiden kleinen Kinder waren im November 2025 während eines Aufenthalts in der Metropole unter dem Verdacht einer Vergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden und dort kurz darauf gestorben.
Bei den Opfern handelt es sich um den sechsjährigen Kadir Muhammet Böcek, die dreijährige Masal Böcek sowie ihre Eltern Çiğdem Böcek und Servet Böcek. Die Familie war am 9. November aus Deutschland angereist und vier Tage später mit schweren Symptomen in eine Klinik gebracht worden.
Insgesamt sechs Angeklagte müssen sich nun vor Gericht verantworten, fünf von ihnen befinden sich in Untersuchungshaft. Zu den Beschuldigten zählen unter anderem ein Hotelverantwortlicher sowie der Inhaber einer Schädlingsbekämpfungsfirma.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Hauptangeklagten vor, durch bewusst fahrlässiges Handeln den Tod mehrerer Menschen verursacht zu haben. Für fünf der Beschuldigten werden Haftstrafen zwischen zwei Jahren und acht Monaten sowie bis zu 22,5 Jahren gefordert. Einem weiteren Angeklagten drohen wegen fahrlässiger Tötung eine Freiheitsstrafe zwischen zwei und 15 Jahren.
Die Verhandlung begann am Vormittag mit der Feststellung der Personalien. Vier Angeklagte waren im Gerichtssaal anwesend, während zwei weitere per Videoschalte zugeschaltet wurden. Neben den Verteidigern und Vertretern der Nebenklage verfolgten auch zahlreiche Zuschauer den Prozessauftakt.
Der Fall hatte sowohl in der Türkei als auch in Deutschland für großes Aufsehen gesorgt. Die genauen Umstände der mutmaßlichen Vergiftung sollen nun im weiteren Verlauf des Verfahrens geklärt werden.