Nach tödlichem Felssturz: Experten fordern Sperrungen in Kappadokien

Bild: DHA
30.10.2026 – 14:00 Uhr

Nevşehir – Nach dem tödlichen Einsturz eines sogenannten Feenkamins in der türkischen Tourismusregion Kappadokien fordern Experten vorübergehende Zugangssperren. Bei dem Felssturz nahe dem Freilichtmuseum von Göreme waren am 29. Oktober drei Menschen ums Leben gekommen, fünf weitere wurden verletzt. Auslöser war nach Behördenangaben ein durch heftige Regenfälle verursachter Erdrutsch.

Şenel Özdamar, Leiter der Abteilung für Geologische Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität Istanbul, sprach sich dafür aus, den Zugang zu gefährdeten Bereichen so lange auszusetzen, bis sich die Lage stabilisiert habe. Ob menschliche Eingriffe zum Einsturz beigetragen hätten, sei bislang nicht geklärt. Die natürlichen Erosionsprozesse, die das Landschaftsbild Kappadokiens seit Jahrtausenden prägen, setzten sich jedoch fort.

Auch der Experte für Bergbautechnik und Geowissenschaften Serkan İçelli sieht Handlungsbedarf. Er habe bereits zwei Monate zuvor vor ähnlichen Gefahren gewarnt und entsprechende Stellen gefilmt. Ausgehöhlte Felsräume, die früher als Wohnstätten genutzt wurden, müssten einzeln untersucht und möglichst naturnah saniert werden.

Drei Tote, fünf Verletzte

Bei den Todesopfern handelt es sich um den 31-jährigen Journalisten Fatih Eray Tuna und seine ebenfalls 31-jährige Ehefrau Begüm Çetinkaya Tuna, die erst im Juli geheiratet hatten, sowie die 37-jährige französische Touristin Cynthia Francine Marie Madeleine Houpert. Das Ehepaar stammte aus der nordwesttürkischen Provinz Sakarya.

Gouverneur Hüseyin Kök erklärte, der Einsturz habe sich in der Nähe des Parkplatzes am Eingang des Freilichtmuseums ereignet. Unmittelbar nach dem Unglück wurde der betroffene Bereich abgesperrt. Bei den übrigen Felsformationen seien zunächst keine Probleme festgestellt worden.

Rettungskräfte der Katastrophenschutzbehörde AFAD, des Nationalen Medizinischen Rettungsteams UMKE sowie weitere Einsatzkräfte durchsuchten die Trümmer. Die Behörden richteten einen Krisenstab ein. Justizminister Akın Gürlek teilte mit, dass ein stellvertretender Oberstaatsanwalt und zwei Staatsanwälte mit den Ermittlungen beauftragt worden seien. Die fünf Verletzten befanden sich nach Angaben von Gesundheitsminister Kemal Memişoğlu in stabilem Zustand.

Feenkamine sind natürliche Erosionsgebilde

Die charakteristischen Feenkamine Kappadokiens entstanden vor Millionen von Jahren aus vulkanischer Asche. Aus den Ablagerungen der Vulkane Erciyes, Hasandağı und Göllüdağ bildete sich weiches Tuffgestein. Wind und Wasser trugen das Material ab und formten die markanten Säulen, deren obere, härtere Gesteinsschichten wie Kappen auf den schlankeren Felskörpern sitzen.

Geht eine solche Kappe verloren oder wird der darunterliegende Fels geschwächt, kann die Erosion schneller voranschreiten. Besonders Regen, Schnee und starke Temperaturschwankungen setzen den Formationen zu. Dringt Wasser in Risse ein und gefriert, dehnt es sich aus und kann das Gestein weiter aufbrechen.

Weitere Einstürze in den vergangenen Jahren

Der jüngste Vorfall ist nicht der erste dieser Art. Im Dezember 2024 war im Stadtteil Tekeli von Uçhisar eine Felsformation eingestürzt. Im September 2025 kam es nach der Schneeschmelze auch im Stadtteil Gaferli von Göreme zu einem Einsturz. Damals gab es keine Todesopfer.

Der Leiter der Kappadokien-Verwaltung, Cem Aslanbay, hatte bereits zuvor auf alte, in den Fels gehauene Hohlräume am Fuß einer eingestürzten Formation hingewiesen. Die zuständige Verwaltung kontrolliert gefährdete Felsgebilde und veranlasst bei Bedarf Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten. Regelmäßige Kontrollen, Absperrungen und die Beachtung von Warnhinweisen sollen Besucher schützen.

Der Nationalpark Göreme und die Felsstätten von Kappadokien gehören seit 1985 zum UNESCO-Welterbe. Die Region zählt zu den bekanntesten Tourismuszielen der Türkei.