Nach dem tödlichen Motorradunfall der in den sozialen Medien bekannten Russin Tatiana Ozolina in der Türkei hat ein Gericht ihren Mitfahrer Onur Obut zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verurteilt. Dies berichtet die türkische Nachrichtenagentur İHA. Das Urteil wegen fahrlässiger Tötung erging in der vergangenen Woche vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Milas.
Ozolina, eine leidenschaftliche Motorradfahrerin, war im Rahmen einer Weltreise in die Türkei gekommen. Auf der Strecke zwischen Söke und Milas wurde sie von Obut und einem weiteren Fahrer namens Sergei Khadrikov begleitet. Khadrikov fiel zurück, woraufhin Obut und Ozolina ihre Geschwindigkeit reduzierten, um auf ihn zu warten. In dieser Situation kam es zu einer Kollision zwischen den Motorrädern von Ozolina und Obut. Dabei wurden beide Fahrer von ihren Maschinen geschleudert. Für Ozolina kam jede Hilfe zu spät – sie starb noch an der Unfallstelle. Obut wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht.

Widersprüchliche Aussagen zum Unfallhergang
Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus wurde Obut von der Polizei festgenommen. In seiner Aussage erklärte er, er habe Ozolina und Khadrikov über soziale Medien kennengelernt und in die Türkei eingeladen. Die Reise habe in Istanbul begonnen. Als sie die Grenze zum Bezirk Milas erreicht hätten, habe er verlangsamt, um auf den zurückgefallenen Khadrikov zu warten. „In diesem Moment kam Tatiana von hinten und stieß mit mir zusammen, wodurch sie ins Schleudern geriet“, so Obut.
Ein von der Gerichtsmedizin erstelltes Gutachten, das Sicherheitskamerabilder und Zeugenaussagen berücksichtigt, kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis: Demnach musste Ozolina verkehrsbedingt bremsen, während Obut den Sicherheitsabstand nicht eingehalten habe und von hinten auf ihr Motorrad aufgefahren sei. Dem Gutachten zufolge trifft Ozolina keine Schuld, während Obut als Hauptschuldiger eingestuft wurde.
Verschwundene Helmkamera sorgt für Wirbel
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt der Verbleib einer Kamera, die sich angeblich am Helm der Verstorbenen befunden hat. Der Anwalt der Familie Ozolina, Ali Şan, wandte sich an die Staatsanwaltschaft, nachdem der Unfallzeuge İ.K. in einer Aussage angegeben haben soll, die Kamera an Obut übergeben zu haben. Vor Gericht erklärte İ.K. jedoch, die Kamera nicht gesehen zu haben; seine Aussage bei der Polizei sei missverstanden worden. Anwalt Şan erstattete daraufhin Anzeige gegen İ.K., doch die Staatsanwaltschaft lehnte die Eröffnung eines Verfahrens ab.
Urteil und Reaktionen
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich Obut der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat. Es verhängte zunächst eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten, die unter Berücksichtigung von Milderungsgründen auf zwei Jahre und elf Monate reduziert wurde. Obut wurde nach seiner Vorführung bei Gericht unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt.
Der Fall hatte in der Türkei und in russischen Medien für erhebliches Aufsehen gesorgt – nicht zuletzt, da das Unfallopfer in den sozialen Netzwerken bekannt war. Die Familie von Tatiana Ozolina kämpft nach Angaben ihres Anwalts weiterhin um eine vollständige Aufklärung der Umstände, insbesondere um die Klärung des Verbleibs der Helmkamera.